75 Jahre Novemberpogrome: Gedenktafel am Rathaus wurde enthüllt

Die Namen der Opfer mahnen

Gedenkfeier: Der von den Nazis deportierten und ermordeten jüdischen Bebraer Bürger gedachten viele Bebraner auf dem Rathausplatz. Pfarrer Martin Schacht, rechts, sprach ein jüdisches Gebet: „Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns an sie.“ Fotos: Vöckel

Bebra. Die Stadt Bebra gedachte am Samstag erneut der ehemaligen jüdischen Mitbürger. Der Anlass waren die Pogrome vor 75 Jahren gegen die jüdische Bevölkerung.

Über 200 Menschen jüdischen Glaubens lebten in der Stadt. Durch die rassistische Politik des NS-Regimes wurden sie vertrieben und vernichtet. Auf einer Gedenktafel sind die Namen von 82 ehemaligen Mitbürgern verewigt, die von den Nationalsozialisten in den Tod getrieben, in Vernichtungslader deportiert und ermordet wurden. Diese Gedenktafel wurde am Samstag in einer Gedenkfeier von Bürgermeister Horst Groß und Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner vor dem Rathaus enthüllt. Sie hat ihren Platz unter dem Erinnerungsschild für die Bebraer Synagoge, das bereits 1984 von der Stadt angebracht wurde.

„Diese Gedenktafel soll ein Zeichen der Menschlichkeit sein, damit wir nicht vergessen, was gewesen ist“, sagte Bürgermeister Horst Groß bei der Enthüllung. Sie sei auch ein Mahnzeichen, das stets an die scheußlichen Verbrechen gegen die jüdischen Mitbürger erinnere. Aus der Vergangenheit lernen, damit so etwas nie wieder geschieht, sei ein Auftrag an die derzeitige Generation und an künftige Generationen. Auch dafür sei die Gedenktafel angebracht worden, erklärte der Bürgermeister.

Ausstellung eröffnet

Pfarrer Martin Schacht sprach ein jüdisches Gebet: „Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns an sie.“ Das sei auch auf Menschen zu übertragen: „So lange wir leben, werden auch sie leben, denn sie sind nun ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern.“ Im Rathausfoyer wurde zugleich eine Ausstellung in Bildern, Installationen und Zeitungsausschnitten eröffnet, gestaltet von Schülern der Fachoberschule Gestaltung und von Mitarbeitern des Stadtarchivs.

Die Exponate zeigen die Wohn- und Geschäftshäuser der ehemaligen jüdischen Mitbürger, Erinnerungsstücke und beklemmende Eindrücke aus der Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten im Bebraer Rathaus besichtigt werden.

Von Herbert Vöckel

Quelle: HNA

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