Züchter aus Gilfershausen: "Auf Namen hören Kängurus nicht"

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Flotter Hüpfer: Dieses Bennett-Känguru ist eines von sechs Tieren, das der Gilfershäuser Dirk Steinbach hält.

Gilfershausen. Kunststücke, erklärt Dirk Steinbach trocken, können seine Kängurus keine, aber er hat sie ein bisschen gezähmt. Er bietet in der offenen Hand ein Stück Toast an. Das Känguru zögert, den Hals gereckt und die Vorderarme dicht am Körper, hopst dann heran und beugt sich hungrig vor zur Hand.

Sechs Bennett-Kängurus leben am Hang hinter Steinbachs Haus.

Vor sechs Jahren hat sich der heute 47-Jährige die ersten drei Tiere bei einem Händler in Baden-Württemberg gekauft - weil er Australien kennt und liebt und Kängurus eben auch. Im Internet ließ sich nachschlagen, wie man sie hält. Namen hat er ihnen, ganz unsentimental, nicht gegeben, denn: „Die kommen eh nicht, wenn man sie ruft.“

Die Tiere fühlen sich wohl und hopsen auf den Hinterbeinen, gestützt auf einen kräftigen Schwanz, zwischen Kiefern und Obstbäumen über den mit Nadeln übersäten Boden. Heruntergefallene Zwetschgen verschmähen die Kängurus. Gern fressen sie junge Triebe und vor allem Gras und Laub, und so haben sie für Steinbach auch einen ganz praktischen Nutzen, denn sie pflegen das steile Grundstück. Vorher erledigten das Schafe, die aber nervig blökten und auch noch nach regelmäßiger Klauenpflege verlangten.

Dirk Steinbach

Genügsam sind dagegen die Kängurus, aus ihrer tasmanischen Heimat sogar an kalte Winter gewöhnt. Den Stall suchen sie nur bei Frost auf, bekommen dann auch Extra-Rationen Heu, täglich frisches Wasser und manchmal Rote Bete, Sellerie oder eben Toast.

Nur einmal kam es vor, dass eines der Kängurus sich merkwürdig verhielt. Verantwortungsbewusst brachte Steinbach es im beruhigend dunklen Kartoffelsack zu einer Eschweger Tierärztin, die Zahnprobleme diagnostizierte und erfolgreich behandelte.

Die Kängurudame, die nach einer Verletzung ein Loch im Ohr hat, trägt seither als einzige einen Namen: Löchli.

Die Tiere haben sich in Gil-fershausen sogar fortgepflanzt, und Steinbach durfte sehen, wie ein Junges ängstlich und neugierig aus dem schützenden Beutel blickte. Bei dem Anblick, erklärt Steinbach, würden auch die Herzen gestandener Männer weich.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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