Aquabella machten auf ihrer Reise durch den Kultursommer Station im Kloster Cornberg

Wo die Nächte weiß sind

Stimmungsvoll: Claudia Karduck, Bettina Stäbert, Heleen Joor und Bérangère Palix verzauberten das Publikum im Kloster Cornberg mit ihrem Gesang. Foto: Hubele

Cornberg. Im Sommer ist es im Norden Europas nicht kalt und dunkel, sondern die Nächte sind weiß und hell. Von eben diesen weißen Nächten, die man durchfeiert, durchlebt, in denen man nicht schlafen geht, erzählten die vier Sängerinnen von Aquabella auf ihrer Reise durch den nordhessischen Kultursommer im Kloster Cornberg.

Die nordische Welt der Trolle wurde am Samstagabend akustisch in der ehemaligen Klosterkirche lebendig – mit wild zerzausten Frisuren und Kochlöffeln als Trollohren verwandelten sich die Sängerinnen als Trolle, die auch gerne einmal im sonnigen Süden Urlaub gemacht hätten und stattdessen immer nur in den kalten und dunklen Höhlen sitzen und sich ärgern müssen.

Für Schabernack zuständig

Von den 13 Söhnen der isländischen Riesin Gryla war immer wieder in den Liedern die Rede, und wie jeder für einen anderen Schabernack den Menschen gegenüber zuständig ist.

Mit ihren facettenreichen Klängen verzauberten Claudia Karduck, Bettina Stäbert, Heleen Joor und Bérangère Palix das Publikum im Kloster, sie zwitscherten und wisperten, sie tuschelten und zischten, sie sangen kristallklar und auf einem hohen musikalischen Niveau, dass das Zuhören eine reine Freude war.

Zwischendrin erzählten sie von den Liedern, von den Geistern, die man im Norden treffen kann, und fragten, ob sich die Trolle ihre schlechten Eigenschaften von den Menschen abgeguckt hätten oder ob es umgekehrt gewesen sei oder ob die Menschen die Trolle nur deswegen erfunden hätten, um damit ihre schlechten Eigenschaften zu erklären.

Ein isländisches Liebeslied erzählt von der Liebe, die wie das Land sehr heiß und sehr kalt sein kann, und wie die Frau am Ende alleine bleibt, weil der Mann wie ein Ruheloser weiterzieht wie alle Ruhelosen, die bei jedem Schritt ein Stück weiter bei sich selbst ankommen.

Die vier Musikerinnen bekamen begeisterten Applaus und ließen sich auf diese freundliche Weise so auch gerne zu Zugaben bitten – sie sangen das Vaterunser auf Suaheli und von Aisha, der Königin von Saba, die nicht in einem goldenen Käfig leben möchte, sondern sich nach gleichen Rechten wie der Mann und Respekt an jedem Tag sehnt.

Von Sylvia Hubele

Quelle: HNA

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