"Steht nicht mehr zur Verfügung"

Nach Muskelbündelriss: WM-Aus für Bebraner Shkodran Mustafi

Porto Alegre. Fußball-Nationalspieler Shkodran Mustafi fällt für weitere Einsätze bei der Weltmeisterschaft in Brasilien aus. Der Abwehrspieler aus Bebra zog sich am Montag beim 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Algerien einen Muskelbündelriss im rechten hinteren Oberschenkel zu.

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"Er wird uns wohl für den weiteren Turnierverlauf nicht mehr zur Verfügung stehen", erklärte Bundestrainer Joachim Löw, der Mustafi nach seiner Auswechslung in der 70. Minute durch Sami Khedira ersetzt hatte. Nach einer ersten Diagnose seien für Mustafi zwei bis drei Wochen Pause vorausgesagt worden.

Dem abrupten und traurigen Ende wohnt eine gewisse Ironie inne. Derjenige, der als Letztes in den Kader gerutscht war, ist als Erstes raus. Umso bitterer, weil sich der aus Bebra stammende Mustafi die Verletzung bei einem Befreiungsschlag ohne Einwirken des Gegenspielers zuzog. Er sei sehr niedergeschlagen, sagte Kujtim Mustafi, der Vater des 22-Jährigen, einen Tag nach dem Algerien-Spiel. „Nach der Begegnung hatten wir kurz Kontakt per SMS. Genaueres weiß ich bis jetzt nicht.“ Soll heißen: Ob Mustafi in Brasilien behandelt wird oder direkt zurück nach Deutschland fliegt, stand bis gestern noch nicht fest. Fest steht aber, „dass ich mit ihm mitgelitten habe“, sagt Vater Kujtim Mustafi.

Gegen Algerien bestritt sein Sohn nach den beiden Hereinnahmen zuvor das erste WM-Spiel von Beginn an – er rotierte für den erkrankten Mats Hummels in die Startelf. Dabei hatte es schon danach ausgesehen, als hätte sich der Verteidiger nach seinem Schnitzer gegen Ghana aus der Mannschaft gespielt. Aber irgendwie passte es zu dieser unglaublichen Geschichte, dass Shkodran Mustafi wieder eine Chance von Joachim Löw bekam.

Wie gegen Portugal und Ghana lief der Mann von Sampdoria Genua auf der rechten Seite der Viererkette auf. Am Montag zeigte Mustafi aber seine schlechteste WM-Leistung. In Arbeitszeugnissen gibt es die wenig schmeichelhafte Formulierung, dass jemand stets bemüht war. Das trifft Mustafis Offensivaktionen auf den Punkt. Er versuchte sich einzuschalten, aber abgesehen von einer Flanke kam nichts dabei heraus. Vielmehr geriet der 22-Jährige vielfach in Verlegenheit und rettete sich dann mit langen Rückpässen zu Torwart Manuel Neuer. Genau genommen rutschte einem jedes Mal das Herz in die Hose, wenn der Ball zu Mustafi kam.

Aktualisiert um 14 Uhr

Diese Unsicherheit spiegelte sich zudem in seinem Abwehrverhalten wider. Gegen die wieselflinken Algerier wirkte der gelernte Innenverteidiger schlicht und ergreifend überfordert. Er stand oft falsch und bewegte sich desorientiert. Hinzu kam, dass seine Fehler im Angriff postwendend in einem algerischen Konter mündeten. Mustafi war ein Gefahrenherd – nur leider für die eigene Mannschaft.

Wie die gesamte Mannschaft fing sich der Nordhesse im zweiten Durchgang. Und es hätte alles ganz anders kommen können, wenn er kurz nach der Pause einen Kopfball zum 1:0 verwandelt hätte. Aber es kam die 70. Minute, die Verletzung, und das letzte Kapitel in Mustafis WM-Märchen war beendet. (dpa/lip)

Quelle: HNA

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