Käte-Kruse-Puppe wird versteigert

Nach fast 25 Jahren: Spielzeugmuseum in Solz schließt zu Pfingsten

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Viel zu endecken: Neben Puppen samt Puppengeschirr, Möbeln und vielem anderen finden sich auch Kleinode wie die Blumenhalle Flora in der Ausstellung in Solz. Fotos: Schankweiler-Ziermann

Solz. Das Spielzeugmuseum in Solz schließt: Das Kleinod in einem der ältesten Fachwerkhäuser des Dorfes beendet sein Dasein mit einem Fest am Sonntag, 25. Mai. Am Pfingstsamstag werden die Museumsobjekte komplett versteigert.

Sibylle Kopf fällt es nicht leicht, sich von den Schätzen zu trennen, die ihre Mutter über 60 Jahre hinweg gesammelt hat. Zu sehen sind Holzspielzeug aus dem Erzgebirge, Thüringen, Berchtesgaden und anderen Orten, Knaben- und Mädchenspielzeug aus der Zeit um 1900. Im nächsten Jahr wäre das kleine Solzer Museum 25 Jahre alt geworden.

Doch Sibylle Kopf sieht keine Zukunft mehr für die kleine, aber feine Schau. Die Museumspädagogin nennt mehrere Gründe. Das Freizeitverhalten habe sich verändert. Touristen rauschten vorbei zur Wartburg, vor Ort fehle ein gastronomisches Angebot, dem kleinen Museumsverein mit nur noch 19 Mitgliedern die Kraft, und auch die Unterstützung durch die umliegenden Städte und den Tourismus-Service Erlebnisregion Mittleres Fuldatal habe gefehlt. Flyer seien nicht bei den Menschen angekommen, in einer Bebra-Broschüre wurde das Museum laut Kopf schlicht vergessen. Dabei ist es mit viel Liebe aufgebaut und informiert auf Schautafeln über die Geschichte, die Bedeutung und die Herstellung des Spielzeugs. So sieht man, wie im Erzgebirge die dort typischen Figuren entstehen, nämlich mit Hilfe des sogenannten Reifendrehens. Für die Bergarbeiter-Familien war die Spielzeugherstellung ein Zubrot. Auch die Kinder mussten mithelfen. Viele erkrankten vom Blei in den Farben. Auf einer Tafel ist zu lesen, dass in Preußen ab 1839 nur die Kinderarbeit für unter Neunjährige verboten wurde.

Miniatur-Spielzeug war die Folge von Zöllen auf Spielzeug, die sich nach dem Gewicht bemaßen. Gezeigt wird zum Beispiel eine winzige Hochzeitsgesellschaft aus Seiffen. Und die ersten Puppen waren sogenannte Holzdocken, die nicht viel mehr waren als ein bemaltes Rundholz mit Gesicht. Sie sind bis ins 16. Jahrhundert nachgewiesen und waren oft mit Steinchen oder Erbsen gefüllt.

Die Volkskundlerin Inge Jockers hatte vor Eröffnung des Museums im Juni 1990 zusammen mit Sibylle Kopf das Konzept entwickelt. Das Spielzeug zeigt, wie die Mädchen zum Führen des Haushalts und auf ihre Rolle als Mütter vorbereitet wurden, die Jungen auf ihre Rolle als Soldaten oder Handwerker. Das Museum am Solzer Burgring ist bis heute einwandfrei in Schuss. Sogar die Toiletten werden gerade noch einmal gestrichen.

Mit einem Museumsfest geht die Zeit des Spielzeugmuseums Solz am Sonntag, 25. Mai, zu Ende. Von 11 bis 17 Uhr ist Tag der offenen Tür, Spielzeugmarkt, es gibt Kaffee und Kuchen. Der Eintritt ist frei. Anschließend ist das Museum vom 26. Mai bis 6. Juni täglich zur Besichtigung von 15 bis 17 Uhr und nach telefonischer Absprache geöffnet. Am Pfingstsamstag, 7. Juni, ab 14 Uhr (Vorbesichtigung 11 bis 13.30 Uhr) werden Puppen, Kaufladen und vieles mehr ab 14 Uhr versteigert.

Kontakt:  Spielzeugmuseum Solz, Burngring 21, Telefon 06622/915925 (Anrufbeantworter).

www.auktionshaus-wendl.de/bebra-stadt.de/

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann 

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Quelle: HNA

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