53-Jährige wurde kriminell, um Darlehen zurückzuzahlen – Bewährungsstrafe

Nach elf Einbrüchen quitt

Bad Hersfeld. Sie sieht aus wie so viele andere Damen mittleren Alters: etwas rundlich, mit kastanienbraun getöntem Haar, gekleidet in einen großkarierten Blazer und dazu die obligatorische Handtasche. Sie befindet sich freilich an einen Ort, an dem Damen ihrer Art eher selten anzutreffen sind: auf der Anklagebank im Bad Hersfelder Amtsgericht.

Wegen gewerbsmäßigem Einbruchsdiebstahl in elf Fällen musste sich die 53-Jährige aus dem östlichen Kreisgebiet vor dem Schöffengericht verantworten, ein 22 Jahre alter Komplize für sechs Einbrüche.

Die Hausfrau ist geständig. Als in den beiden vergangenen Jahren eine fünfköpfige Bande in wechselnder Besetzung durch den Landkreis und angrenzende Gemeinden zog und bei fast 30 Ein- und Aufbrüchen Geld, Zigaretten und Spirituosen stahl, war die Mutter von drei erwachsenen Kindern mit von der Partie – allerdings zumeist nur als Fahrerin.

Zwei Jahre für Haupttäter

Mit dem Erlös aus diesen Hilfsdiensten zahlte sie ein Darlehen über 1000 Euro zurück, das ihr der Kopf der Bande – der in einem gesonderten Verfahren zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war – gewährt hatte. Das Geld benötigte die Frau, weil sie ihren Job aufgegeben hatte, um für die demente Mutter zu sorgen. Pflegegeld gab es damals noch nicht, und die Sozialhilfe reichte nicht aus.

An der ohnehin nicht gerade üppigen Beute war die 53-Jährige folglich nur marginal beteiligt. Mal ein paar Zigaretten, eine Flasche Schnaps, nur ganz selten einige Euro.

Als ihr die Sache zu heiß wurde, stieg sie aus. Der Bandenchef akzeptierte, man war längst quitt. Auch der mitangeklagte Hersfelder ließ aus freien Stücken vom kriminellen Tun ab. Bei der Polizei packten beide zudem so umfassend aus, dass auch Taten aufgeklärt werden konnten, die entweder noch gar nicht bekannt waren oder bei denen die Ermittler keine Ansatzpunkte hatten.

Vom Tisch war schließlich auch der strafverschärfende Umstand der Gewerbsmäßigkeit, denn dass die Diebstähle eine wesentliche Einnahmequelle für die Angeklagten darstellen, das war nach der Beweisaufnahme zweifelhaft.

Am Ende wurde die bislang nicht vorbelastete Frau wegen siebenfacher Beihilfe zum Einbruchsdiebstahl, vier vollendeten Taten, davon wiederum zwei Versuchen, zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss sie 600 Euro bezahlen.

Sechs Taten, davon ebenfalls zwei Versuche, brachten dem jungen Mittäter sechs Monate aus Bewährung und 900 Euro Geldauflage ein. Der 22-Jährige hatte eine Vorstrafe nach Jugendrecht mitgebracht.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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