Nabu zu Windkraftplänen: Kein Ersatz für Energielieferung von außen

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Rotenburg. Dass der Bau von Windkraftanlagen die Region mittelfristig unabhängig von Energiezufuhr von außen macht, hält der Solzer Naturschützer Dieter Gothe für "baren Unsinn". Er gehört dem Nabu Solz an und warnt erneut vor dem Ausbau der Windenergie im heimischen Stölzinger Gebirge.

Ohne Energie von außen bleibt Rotenburg „schlichtweg geliefert“, stellt Dieter Gothe von der Solzer Gruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in einer Pressemitteilung fest. Windenergie leiste einen Anteil am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland von nur 1,5 Prozent - trotz massiven Ausbaus und enormer Kostensteigerungen für den privaten Stromverbraucher.

Gothe reagiert auf eine Äußerung von Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald, der von Windkraftgegnern in der Region Alternativvorschläge zur Umsetzung der Energiewende gefordert hatte - wir berichteten. Grunwald hatte auch darauf hingewiesen, dass eine dezentrale Energieversorgung zu bevorzugen sei, auch um Waldhessen nicht von gigantischen Stromleitungen überziehen zu lassen.

Eine Energieautarkie ohne Leitungszubau von und nach Waldhessen und damit auch in Rotenburg sei barer Unsinn, schreibt Gothe weiter. Schließlich werde gerade die von Tennet projektierte Gleichstromleitung Waldhessen mit seinen gigantischen Strommasten zusätzlich stark belasten. Sie transportiere jeden im Norden anfallenden Strom, auch den aus Windparks auf hoher See (Off-shore-Parks).

Geliefert sei Rotenburg auch mit einem durch Technik verdorbenen und überformten Lebensraum. Ohne intakte Kulturlandschaft entfalle der Grund für eine gewinnbringende Verweildauer von Touristen in der Region.

Nach Vorstellungen der Bürgermeister am Randes des Stölzinger Gebirges auf beiden Seiten der Wasserscheide soll es nicht bei nur sieben Rotenburger Windkraftanlagen bleiben. Vielmehr solle ein riesiger Windpark mit mehreren Windfeldern entstehen, schreibt Gothe.

„Zerstörung von Natur und Landschaft durch sehr viele 200 Meter hohe Windkraftanlagen auch in die schönsten und wertvollsten Lebensräume zu tragen, wie dies gegenwärtig gefordert wird, wäre ein erkennbarer Irrtum“, meint Gothe.

Damit würde auch die international eingegangenen Verpflichtung der Bundesregierung unterlaufen, die Biodiversität (biologische Vielfalt) zu erhalten. Vor diesem Hintergrund dürfe es kein Windenergiezentrum im Dichtezentrum des international geschützten Rotmilans geben, fordert Gothe und spricht sich für die Einrichtung eines Schutzgebietes aus.

Grundsätzlich meint Gothe: „Wäre die Regionalplanung in Hessen ergebnisoffen aufgestellt, sie würde den beabsichtigten Leitungszubau und einen maßvollen Ausbau der Windenergie und andere flächenverbrauchende Energieprojekte entlang der Autobahnen koordinieren. Das wäre auch eine dezentrale Lösung.“ (sis)

Quelle: HNA

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