Nabu kritisiert Cornberger Windkraftpläne

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Dieter Gothe

Cornberg. Scharfe Kritik übt die Gruppe Solz des Naturschutzbundes (Nabu) an einer Bürgerversammlung zum Thema Windkraft in Cornberg (die HNA berichtete). Der Vorsitzende Dieter Gothe greift in einer Pressemitteilung den Referenten Hans Hermann Freischlad an.

Ihn hält Gothe für nicht unabhängig, da Freischlad im Vorstand der Energiegenossenschaft Haiger ist. Bürgermeister Achim Großkurth hatte Freischlad als unabhängig vorgestellt, da er keine eigenen wirtschaftlichen Interessen vertrete.

Freischlad habe die Bürger auf der Veranstaltung mit Unwahrheiten konfrontiert und zynisch den Verlust nur eines Rotmilans durch Windkraftanlagen in Deutschland „beklagt“, schreibt der Nabu-Vorsitzende. Die tatsächliche Zahl liege wesentlich höher. Dies bestätigt eine Statistik der Staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg, laut der seit 2001 insgesamt 213 Rotmilane getötet worden sind.

Die Wissenschaft gehe zusätzlich von enormen Mengen nicht gefundener Kadaver aus, da sie meist in der Nacht nach dem Totschlag von Füchsen oder Dachsen gefressen würden, schreibt Gothe.

Cornberg sei ein bedeutender Lebensraum für Vögel. Deswegen kritisiert der Nabu-Vorsitzende, dass die Referenten auf der Veranstaltung von Unbedenklichkeit geredet haben.

Auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen stellt Gothe in- frage. Pro Anlage der Drei-Megawatt-Klasse würden, wie etwa in Nordrhein-Westfalen, bis zu 80 000 Euro im Jahr abgesetzt. Gewerbesteuer könne die Gemeinde daher nicht erwarten. Auch bezweifle Gothe eine maßgebliche Beteiligung von Kommune und Allgemeinheit, wenn ein Privater eine Windenergieanlage auf seinem Land ansiedeln könne.

Zudem zweifelt der Nabu an, dass die Cornberger Räder den Ort rechnerisch zu 80 Prozent versorgen könnten. Weniger als 1700 Volllaststunden der Windkraftanlagen im Jahr und viele Stunden ohne Betrieb könnten keine Kommune versorgen.

Gothe befürchtet, dass sich die Gemeinde mit der Veranstaltung in Rockensüß einen Bärendienst erwiesen habe. „Soll Cornberg in den nächsten drei Wochen opfern, was es auszeichnet?“ fragt er mit Blick auf den unberührten Lebensraum rund um die Gemeinde. Während der Versammlung war darauf hingewiesen worden, dass Bürger und Gemeinde innerhalb kurzer Zeit eine Strategie zur Förderung von Windkraft entwickeln sollten.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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