Lollsfestzug-Kapellen beklagen Übergriffe durch Zuschauer – Sorge um Gesundheit

Musiker wurden beworfen

Im Gedränge: Die Mitglieder des Musikcorps Ufhausen sind im Lollsfestzug mit Schnapsfläschchen beworfen worden. Dabei ging der Trichter eines Sousafons (hinten) kaputt. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Mit seinen roten Uniformen und den flotten Melodien gehört das Musikcorps der freiwilligen Feuerwehr Ufhausen zu den Höhepunkten im Lollsfestzug. Für die Musiker selbst bleibt nach dem Auftritt in Bad Hersfeld in diesem Jahr allerdings ein fader Beigeschmack: „Wir sind von Zuschauern massiv mit Bonbons und sogar mit Schnapsfläschchen beworfen worden“, beklagt sich die Kassiererin des Musikcorps, Silke Köller.

Durch ein Glasfläschchen ist eines der Sousafone des Vereins beschädigt worden. Erst vor Kurzem hat die Kapelle die Instrumente mit Schalltrichtern aus leichtem Fiberglas angeschafft. Einer davon hat jetzt einen 20 Zentimeter langen Riss. Ärgerlich, letztendlich aber nur ein Versicherungsschaden, der zusätzlichen Aufwand beschert.

Kann ins Auge gehen

Mehr noch fürchten die Musiker um ihre Gesundheit. Schließlich könne ein solches Wurfgeschoss auch buchstäblich ins Auge gehen, verdeutlicht Köller die Befürchtungen. Auch andere am Festzug beteiligte Musikkapellen berichten auf Nachfrage von Bonbonwürfen aus der Zuschauermenge. Aus Bebra war der TSV-Musikzug vertreten. Ob auch die TSV-Musiker beworfen wurden, war bis zum Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

„Das hat in den vergangenen Jahren leider stark zugenommen“, berichtet Christian Krause, Dirigent und erster Vorsitzender des Stadtmusikvereins Bad Hersfeld. Schnapsflaschen hat Krause, der selbst die Tuba bläst, zwar noch nicht abbekommen, dafür aber Süßigkeiten oder Nüsse, teilweise aus großer Höhe von Balkons geworfen.

Schlechte Erfahrungen mit Bonbonwerfern hat auch Alfred Lange, Stabführer des Musikzuges Eiterfeld und Arzell, beim Lollsfestzug gemacht. Allerdings sei es in diesem Jahr nicht so schlimm gewesen wie in den Jahren zuvor. Mehr zu denken gibt ihm ein Vorfall beim Fackelzug am Sonntagabend: Da sei ein Mitglied des Ensembles aus der Zuschauermenge mit einer brennenden Fackel beworfen worden. Die Sousafonspieler des Vereins seien Bonbonwerfer mittlerweile leid und nehmen nicht mehr am Lollsfestzug teil.

Beschwerden über Übergriffe auf Festzugteilnehmer habe es in den vergangenen Jahren gegeben, teilt Stadt-Sprecher Christian Mayer mit. Daraufhin habe man Schwerpunkte solcher Vorfälle ausgemacht und dort mit verstärktem Ordner- und Polizeieinsatz reagiert. In diesem Jahr liegen laut Mayer aber bisher keine weiteren Beschwerden vor.

Der Stadt wollen auch die Kapellen keine Vorwürfe machen. „Man kann nur an die Vernunft der Zuschauer appellieren“, sagt Christian Krause. Aus Angst vor Verletzungen oder beschädigten Instrumenten wolle sonst womöglich irgendwann kein Musiker mehr teilnehmen.

Ähnlich sieht das auch Silke Köller vom Musikcorps Ufhausen: „Eigentlich macht uns der Auftritt zu Lolls Spaß. Aber unter diesen Umständen müssen wir ernsthaft überlegen, ob wir in Zukunft noch teilnehmen.“

Von Jan-Christoph Eisenberg

Quelle: HNA

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