Musik in der Karwoche lockte in die Rotenburger Jakobikirche

Konzert in der Jakobikirche: Musik in der Karwoche mit Sonaten für Blockflöte und Violine. Foto: Meyer

Rotenburg. Lieblich wie Vogelgezwitscher erklang in der Jakobikirche die Musik in der Karwoche zum 331. Geburtstag von Johann Sebastian Bach.

Rotenburg. In zwei Jahren, 2018, hat am Frühlingsbeginn Johann Sebastian Bach seinen 333. Geburtstag. Doch auch am 331. durfte gefeiert werden. So im Rahmen der traditionellen Rotenburger „Musik in der Karwoche“ vor einer ansehnlichen Bach-Verehrerschar.

Kantor Christian Zierenberg, hier am Cembalo, führt dabei in der Jakobikirche vorzugsweise Kammermusik auf, weil er so ausgesuchte, hochkarätige, bewährte Kollegen um sich versammeln kann für diese diffizile instrumentale Gattung. Am Montag und am Dienstag waren es Anna Fusek (Blockflöte), Henning Vater (Barockvioline) und Martin Fliege (Viola da gamba).

Souverän im Zusammenspiel

Man darf gestehen, die drei Sonaten selten so hinreißend in Technik und Ausdruck, so souverän im Zusammenspiel gehört zu haben: die Werke C-Dur BWV 1032, g-Moll BWV 1034 und F-Dur BWV 525. Alle drei als Transkriptionen, denn Bach berücksichtigte die Blockflöte nur am Rande. BWV 1032 und 1034, hier auf der Altblockflöte gespielt, gehen auf Sonaten für Querflöte zurück (dort in A-Dur und e-Moll), BWV 525, hier mit der Sopranino-Blockflöte, auf die erste der sechs Orgelsonaten (dort in Es-Dur).

Als Hauptakteurin des Abends glänzte die Blockflötistin Anna Fusek, die in Tschechien geboren wurde und in Deutschland aufwuchs, heute aber global bei vielen führenden Ensembles tätig ist, so bei der Berliner Akademie für Alte Musik, beim Elbipolis-Barockorchester Hamburg oder seit 2008 beim Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon.

Anna Fusek demonstrierte mustergültig, wo das Geheimnis des Blockflötenspiels liegt: dass der Ton - mehr noch als beim Singen - in den Atemstrom gebettet ist, besser: auf ihm schwebt und sich über ihn ausbreitet. So kann er schimmern und schillern, so gewinnt er Organik und Natürlichkeit, ja eine Beredsamkeit, die an Herz und Verstand rührt.

Überflüssig zu sagen, dass selbst das geschwindeste Lippen- und Fingerspiel wie liebliches Vogelgezwitscher anmutete, etwa im Passagenwerk des ersten Allegrosatzes aus BWV 1034. Und dass die Solistin ihre drei stilsicheren Kollegen zu schwungvollem, doch stets „geerdetem“ Mittun animierte. Pfarrer Michael Dorfschäfer las zwischen den Musiken Bibeltexte zur Karwoche aus Jesaja 42, Psalm 37 und dem Johannes-Evangelium, Kapitel 12. Nach einer knappen Stunde reicher Beifall.

Von Siegfried Weyh

Quelle: HNA

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