Mundstuhl in Ellis Saal: Herb, gemein und unkorrekt

Zwei der Lieblings-Figuren von Mundstuhl-Fans: Ande Werner und Lars Niedereichholz (von links) alias Peggy und Sandy hatten wieder in wunderbarem Slang viele Alltagsprobleme aus dem Plattenbau zu betratschen. Foto: Kanngieser

Weiterode. Mundstuhl, seit zirka 20 Jahren ein Comedy-Duo aus Frankfurt, war am Samstag zu Gast im ausverkauften Ellis Saal in Weiterode und wurde schon zu Beginn mit frenetischem Applaus empfangen.

Fast familiär war die Atmosphäre - gerade so, als würden sich entfernte Verwandte nach langer Zeit wiedersehen. Lars Niedereichholz und Ande Werner präsentierten dieses Mal ihr neues Programm „Mütze-Glatze! Simply the Pest“, das die „Sahnestücke ihres kreativen Schaffens in ganz neuem Gewand“ zeigen sollte. Mundstuhl ist nach all den Jahren noch erfolgreich, weil die beiden Protagonisten so sind, wie sie sind: herb, gemein und politisch unkorrekt.

Ein Wiedersehen gab es mit Peggy und Sandy, den jungen Frauen, die sich in der ostdeutschen Plattenbausiedlung über ihre Alltagsprobleme wie Komasaufen, Sex oder die Tattoos des an der rechten Front angekommenen Sohnes nicht austauschten, sondern anschrien. Auch die „Kultkanacken“ Dragan und Alder waren dabei, die derben Unsinn von sich gaben und einen Einblick in ihren höchst fragwürdigen ungesunden und meist illegalen Lebenswandel gewährten.

Die Frutarier Torben und Malte von der Band „No pressure“ spielten - in Vertretung der „Wanderwarze aus Siebenbürgen“ (Peter Maffay) - und dann gab es mit Mundstuhl auch wieder richtig gute Musik. Grenzen des guten Geschmacks gibt es für Mundstuhl nicht: Inzucht, die Badewanne von Tebartz van Elst, die ärmliche Kindheit oder der ausrastende Quoten-Proll Andy (Lars Niedereichholz), der sich über das „Drecks-Tropical-Island“ und seine adipöse Freundin erregte.

Lars Niedereichholz war es auch, der erzählte und demonstrierte, wie ihm die Hose bei der Gartenarbeit rutscht - was immer so scheußlich aussieht, dass er dem Publikum prompt mal diesen Po-Ansatz zeigte.

Richtig gut war Mundstuhl auch dieses Mal im heftig erregten Dialog, besser Schlagabtausch genannt. Da gelang den Komödianten häufig eine Pointe nach der anderen. Sicher waren darunter auch einige Schenkelklopfer. Mundstuhl bleibt sich treu.

Was das Duo noch sympathisch macht? Es kann über jeden noch so albernen Gag herzhaft und über sich selbst lachen und nimmt jede Regung im Publikum auf.

Nach zwei Zugaben durften die Südhessen gehen, denn „wenn ich Zugabe höre, dann könnt ich kotzen. Wenn du im Kino bist, dann rufst du ja auch nicht nach 90 Minuten, ich will noch einen Film“. Und dann ein Abschlusslied für den „sozialen Brennpunkt Bebra“. Das Publikum war begeistert. Und der Applaus am Ende war noch stärker als zu Beginn.

Von Susanne Kanngieser

Quelle: HNA

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