Regionalforum setzte Reihe zur Zukunft auf dem Land fort

Hier läuft der Laden: In Gertenbach im Werra-Meißner-Kreis haben sich die Dorfbewohner geschlossen für ihren Laden eingesetzt. Unser Bild zeigt Marktleiterin Francine Beilschmidt.

Lispenhausen. Die Realität hat die theoretische Diskussion eingeholt: Der Schlecker-Markt, der im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen durchaus die Funktion eines Dorfladens hatte, ist nun dicht.

Kein Wunder, dass sich bei der Veranstaltung des Regionalforums Hersfeld-Rotenburg „Laden zu - und nun?“ am Donnerstag im Bürgerzentrum des Dorfes neben Kommunalpolitkern auch viele Lispenhäuser eingefunden hatten.

Sie sind vergleichsweise fein raus: Bäcker, Metzger, Friseure, Arzt, Apothekenfiliale, Tankstelle - das gibt es noch. Aber viele andere Dörfer im Kreis stehen ohne Nahversorgung da. Anlass für das Regionalforum und seine Managerin Sigrid Wetterau, Modelle vorzustellen, die angesichts einer schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung, die die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs sicher stellen können.

Wenn ein Dorfladen funktionieren soll - das machten alle Referenten deutlich - muss dort logischerweise eingekauft werden. Und zwar mehr als ein Becher Schmand, der beim Großeinkauf im Supermarkt des Nachbarortes vergessen wurde. „Du musst Deinen Dorfladen und seinen Betreiber lieben“ hämmerte Heiner Dippel, Fachberater für Nahversorgung und Einzelhandel, den Zuhörern ein. Denn: „Wenn der Einzelhändler im Ort dicht macht, fallen die Immobilienpreise um 30 Prozent.“ Nahversorgung sei das A und O für potenzielle Hauskäufer, für junge Familien, die sich noch in einem Dorf niederlassen wollen.

Dippel nannte eine Vielzahl von Nahversorgungskonzepten - erfolgreiche und weniger erfolgreiche. In Gertenbach im Werra-Meißner-Kreis zum Beispiel funktioniert der Laden, weil die ganze Dorfgemeinschaft dahinter steht. Gemeinsam mit der Tegut-Gruppe in Fulda hat man ein „Lädchen für alles“ eröffnet, das offenbar läuft. Im Ringgau wurde in den Räumen eines ehemaligen Autohauses ebenfalls ein größeres Nahversorgungszentrum erreichtet, das ebenfalls funktioniert. Allerdings: Dass sich dort auch Ärzte niederlassen konnten, verhinderte die Kassenärztliche Vereinigung.

Wichtig: Nur mit Lebensmitteln funktioniert es nicht. Dienstleistungen wie Paketannahme, oder Reinigungsannahme, Rezeptsammelstelle und vor allem ein Treffpunktcharakter für soziale Kontakte gehören zum erfolgreichen Dorfladen. Und ein Lieferdienst für betagte Menschen, die den Laden nicht mehr selbst aufsuchen können.

Sigrid Wetteraus stellte für einen erkrankten Referenten das Tegut-Konzept vor, bei dem auch Träger von sozialen Einrichtungen mit im Boot sind. Da profitieren beide Seiten, stellte Erwin Binkofski vom Verein „Die Brücke“ für Menschen mit seelischen Behinderungen fest. Sie seien sozial abgesichert und könnten durch die Arbeit im Dorfladen am Leben teilhaben.

Von Silke Schäfer-Marg

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Quelle: HNA

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