Schuss in den Kopf

Mordprozess von Bebra: Angehörige haben Zweifel an der Unfall-Version

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Großes Medieninteresse beim Prozessauftakt: Der Angeklagte Bebraner mit seinem Verteidiger Christopher Posch vor dem Landgericht Fulda. Foto: Janz

Bebra/Fulda. Den Schuss in den Kopf seiner Frau hat der 69-jährige Bebraner, der wegen Mordes angeklagt ist, als einen Unfall dargestellt. Aufgrund der Beweislage betrachtet der Staatsanwalt diese Erklärung mit Vorsicht. Aber auch Angehörige der toten Ehefrau haben Zweifel.

Im Sitzungssaal des Landgerichts Fulda saßen am Donnerstagmorgen auch mehrere Angehörige des Opfers. Aus Bad Hersfeld nahm eine Cousine der 67 Jahre alten Getöteten am Prozess teil, und aus Wiesbaden war ein weiterer Cousin zum Prozessauftakt angereist.

Die beiden haben Zweifel daran, dass es sich tatsächlich um einen Unfall gehandelt hat, wie ihn der Angeklagte geschildert hat. Dass ein erfahrener Jäger wie der 69-Jährige so unvorsichtig mit einer Waffe hantiert, dass sich ein Schuss lösen kann, sei unglaubwürdig. Für ebenso unwahrscheinlich halten es die Verwandten, dass die Waffe unwissentlich geladen war.

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Die Ausführungen des Angeklagten im Gerichtssaal über ihre Cousine haben die beiden überrascht. „Wir wussten, dass sie psychische Probleme hatte, aber das ganze Ausmaß war uns nicht bekannt“, erklärten sie nach der Verhandlung gegenüber unserer Zeitung. „Unsere Cousine war ein impulsiver Mensch“, berichtet die Hersfelderin, aber dass sie ihren Mann mit dem Messer bedroht hat, hätte sie nicht gedacht.

Seit etwa zehn Jahren hatten die beiden kaum noch Kontakt mit ihrer Cousine. Damals war die Mutter der 67-jährigen Bebranerin gestorben. Das habe sie seelisch nicht verkraftet, berichten ihre Verwandten.

Hintergrund: Bebraner ist Schöffenrichter

Beim Prozess gegen den 69-Jährigen sitzt auch ein Bebraner auf der Richterbank. Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner, der in Iba wohnt, ist einer von zwei Schöffenrichtern. Mit dem Schöffen Stephan Grünkorn, den Richtern Dr. Jens Mischak und Dr. Jörg Weddig sowie dem Vorsitzenden Richter Josef Richter bildet er das Schwurgericht.

Dass Börner ebenfalls aus Bebra kommt und den Angeklagten womöglich kennt, sei kein Problem, heißt es vonseiten des Gerichts. Dieses Thema habe der Vorsitzende Richter mit Börner erörtert. Es gebe keine nähere Verbindung zwischen Börner und dem Angeklagten und daher auch keinen Grund, dass Börner befangen ist.

Die beim Landgericht zugelassenen Schöffen werden zu Beginn eines jeden Jahres auf die Prozesse verteilt ohne zu wissen, was und gegen wen verhandelt wird. Insofern ist es purer Zufall, dass Börner dem Gericht angehört.

Von Marcus Janz

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Quelle: HNA

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