In Philippsthal will niemand darüber sprechen

Mordfall von 1986: Stille um Tod von Reinhard Weimar

Mordopfer: Melanie (links) und Karola Weimar. Foto: dpa

Philippsthal. Der Tod seiner Kinder Melanie und Karola wurde 1986 zu einem der spektakulärsten und aufwühlendsten Mordfälle der deutschen Kriminalgeschichte. Jetzt ist Vater Reinhard Weimar auch tot. Im Dorf will fast niemand über ihn sprechen.

Melanie wäre heute 33 Jahre alt, Karola 31. Vielleicht wären sie verheiratet, hätten Kinder. Vielleicht würden sie in Philippsthal-Röhrigshof leben, wo sie ihre Kindheit verbrachten. Oder im Nachbardorf Ransbach, in dem jetzt ihr Vater Reinhard Weimar mit 60 Jahren an Herzversagen starb.

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Verurteilt wurde schließlich nach mehreren Gerichtsverfahren, Freisprüchen und schließlich einem erneuten Urteil zu lebenslanger Haft die Mutter der Kinder, Monika Weimar. Sie soll ihre Mädchen getötet haben, weil sie ihrer Beziehung zu einem US-Soldaten im Weg gestanden hätten. 15 Jahre saß sie im Gefängnis, bestritt die Tat immer. Für sie war ein anderer der Täter – ihr Ehemann. Motiv: Eifersucht. Nahm Reinhard Weimar also ein Geheimnis mit ins Grab?

Reinhard Weimar

Darüber will in Röhrigshof und Ransbach gestern niemand spekulieren. Am liebsten will man gar nicht reden. Die Sache sei zu lange her, und der Reinhard sei seit dem Tod der Mädchen krank gewesen, heißt es.

Adam Rosental, der frühere Dorfschmied, ist mit 91 einer der ältesten Ransbacher. Natürlich kennt er alle im Dorf, auch über Weimar könnte er erzählen. Will er aber nicht. „Der ist nun tot. Fertig, aus“, sagt er. Beschäftigt ihn der Mord an den Kindern noch? „Ich weiß nicht, wer es war. Darum sage ich lieber nichts. Gelogen wird sowieso viel zu viel. Auch vor Gericht.“

In der Ransbacher Metzgerei sei der plötzliche Tod von Weimar bei den Kunden kein Thema, sagt die Verkäuferin. Und wenn er es gewesen sein sollte, sagt eine Frau, dann hat er das Geheimnis mit ins Grab genommen. Doch die Tat traut man ihm nicht zu. Er war lange krank, stand unter Medikamenten, sei nicht der Allerschlauste gewesen. „Da hätte er sich mal verplappert“, sagt eine Frau.

Vor dem Haus der Weimars, in dem Karola und Melanie nur fünf und sieben Jahre alt wurden, wäscht ein junger Mann sein Auto. Er wisse, warum wir da seien, sagt er. „Und darum sage ich nichts.“

Von Frank Thonicke

Quelle: HNA

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