Beeindruckende Aufführung des Werks von Carl Orff in der Stiftskirche

Mitreißende Carmina

Insgesamt wirkten 140 Sängerinnen und Sänger mit: Vorn von links Bariton Gerardo Garciacano, Tenor Joaquin Asiain und Sopran Heidi Meier. Dirigentin Eva Gerlach wendet sich den Jüngsten der JuKa zu – siehe Foto unten. Foto:  Dürr

Rotenburg. Zweimal schien die Stiftskirche in Rotenburg am Samstagabend fast zu bersten: zuerst unter den oft gewaltigen Klängen von Chor und Musikern, als unter der Leitung von Eva Gerlach die Carmina Burana von Carl Orff erklang. Am Ende vom Applaus, der stehend eine überaus gelungene Aufführung würdigte.

An der Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk hätte Orff seine helle Freude gehabt: Die Pianisten Olga Zarytovska und David Andruss musizierten mit dem Mannheimer Schlagwerk präzise rhythmisch, virtuos in Tonsprache und Klang. Man hörte und sah die Begeisterung, mit der hier agiert wurde.

Der Hauptchor aus über 90 Sängerinnen und Sängern der Kantorei der Stiftskirche Rotenburg und der Rotenburger Jugendkantorei (JuKa), zu dem sich im 3. Bild noch die Jüngsten der JuKa gesellten, standen da keineswegs zurück. Unter dem energischen Dirigat Gerlachs gelangen knifflige Rhythmen, Tempiwechsel, Lautstärken vom feinsten Pianissimo bis zum gewaltigen Fortissimo.

1935 hatte Orff die Texte der Carmina Burana entdeckt, eine Sammlung von 250 Texten mit vielstrophigen Liedern aus ganz Bayern mit teils derben, spöttischen Texten. Durch die Auswahl von 25 Liedern in vier Bildern entstand ein neuer Zusammenhang, der sich um das ewige Kreisen zwischen Glück und Unglück dreht.

Orff ließ sich von der Knappheit der Sprache in Latein und Mittelhochdeutsch fesseln und schuf dazu eine sinnliche Vertonung, wobei er Rhythmik und Harmonik stark vereinfachte. Trotzdem kann man sich der mitreißenden Wirkung der vitalen Tonsprache nicht entziehen, was das Publikum in der Stifskirche mit viel Szenenapplaus kundtat.

Als Solisten begeisterten: Heidi Meier mit schönem, klarem Sopran; Joaquin Asiain mit dramatischem Auftreten und hellem Tenor, der alles auswendig sang; Gerardo Garciacano als Bariton, der das zarte Sonnenlied ebenso überzeugend interpretierte wie die Klage über das innerliche Glühen.

Als Vorspiel zur Carmina Burana interpretierten Gerlach und Andruss eine wunderschöne Scaramouche von Daius Milhaud, in einer für den Abend entstandenen Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk. Das dreisätzige Werk lebt von jazzigen Einflüssen und südamerikanischer Rhythmik.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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