Glaubwürdigkeitsgutachten über Hauptbelastungszeugin

Missbrauchsprozess: Gericht setzt Verfahren gegen Stiefvater aus

Fulda/Bebra Das Landgericht Fulda hat den Prozess gegen einen 48 Jahre alten Bebraer ausgesetzt. Er ist angeklagt, seine zur Tatzeit nicht einmal 13 Jahre alte Stieftochter 20 Mal vergewaltigt zu haben. Nun soll zunächst ein Glaubwürdigkeitsgutachten der Hauptbelastungszeugin eingeholt werden.  

„Wir wollen jetzt zunächst ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die heute 19 Jahre alte Hauptbelastungszeugin einholen und den Prozess dann neu beginnen“, erklärte Michaela Kilian-Bock, Vorsitzende Richterin der Zweiten Strafkammer.

Ein geschulter Kinder- und Jugendpsychologe soll mit der Stieftochter sprechen und dem Gericht dann mitteilen, für wie belastbar er ihre Aussage hält. Die Aussage ist das zentrale belastende Element. Der Angeklagte bestritt die Taten vehement und erklärte, die Beschuldigungen würden vorgebracht, um ihm zu schaden.

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Das Mädchen hatte seinen Stiefvater erst im November 2009 beschuldigt und von den taten berichtet, nachdem sich die Eltern getrennt hatten. Das Verfahren soll nach Angaben der Richterin noch in diesem Jahr neu aufgenommen werden - dann erneut vor der Zweiten Strafkammer. Unter den besonderen Umständen dieses Falls reicht unsere Sachkunde nicht, um eine Zeugenaussage zu bewerten“, erklärte Kilian-Bock. Das Mädchen, das angibt, missbraucht worden zu sein, habe sehr unter dem Einfluss der Mutter gestanden, die ihrerseits ein starkes Motiv gehabt habe, ihrem Mann zu schaden.

Zugleich sei das Mädchen unter Umständen aufgewachsen, in die man sich schwer hineindenken könne. Das Mädchen habe schon mit zwölf Jahren mit der Mutter Horrorfilme gesehen, sie habe morgens oft kein Frühstück bekommen und sei ohne Freundinnen relativ isoliert aufgewachsen. Zu der Entscheidung, ein Gutachten einzuholen, sei die Kammer nach einem Rechtsgespräch mit allen Beteiligten gekommen, berichtete die Vorsitzende Richterin.

Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken hatte dem Angeklagte vorgeworfen, er habe seine Stieftochter in der gemeinsamen Wohnung von Juli 2002 bis Juni 2006 etwa 20 mal missbraucht. Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen acht bis zwölf Jahre alt. Am letzten Gerichtstag vor dem Abbruch hatten ein Bruder und eine Freundin des Angeklagten dem 48-Jährigen ein Alibi gegeben, das von dem Opfer allerdings vehement bestritten wurde. (vn)

Quelle: HNA

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