Gottesdienst am Sonntag

Methodistische Gemeinde verabschiedet Pastor Hans-Wilhelm Herrmann

Bebra. Seine Wohnung hinter dem Gotteshaus in der Friedrichstraße ist schon lange leergeräumt. Bis auf sein Bett ist alles, was noch da ist, Eigentum der Kirche. Am Sonntag nimmt Pastor Hans-Wilhelm Herrmann in einem Bezirksgottesdienst ab 14 Uhr Abschied von der Evangelisch-Methodistischen Kirchengemeinde (EMK).

Der gebürtige Bielefelder hat das kirchliche Leben der Biberstadt und die Zusammenarbeit der Gemeinden im Ökumenischen Arbeitskreis nachhaltig geprägt. Dabei mögen ihm sein freundliches Wesen und seine Fähigkeit, prägnant zu formulieren und zu vermitteln, zugute gekommen sein.

Letzteres hat er in seinem "ersten" beruflichen Leben gelernt, das an der Reformuniversität Bielefeld begann, und das aus ihm 1978 den jüngsten Richter Nordrhein-Westfalens werden ließ. Nach "Empfang der höheren Weihen" am Oberlandesgericht Hamm hätten ihm alle Türen offengestanden. Aber Herrmann folgte einem anderen Ruf und wurde 1993 Verwaltungsdirektor des Diakoniewerks Bethesda der EMK. Elf Jahre lang stand er auf der Kommandobrücke eines 2500-Mann-Unternehmens, das vier Krankenhäuser und drei Seniorenzentren betrieb.

Nochmal neu orientiert

Der Zusammenschluss des Diakoniewerks mit anderen großen Trägern brachte es mit sich, dass seine Stelle wegfiel und sich Herrmann neu orientierte. Er war zwischenzeitlich zum Konferenz-Laienführer der jährlichen Konferenz der EMK gewählt worden und darüber hinaus als Laienprediger aktiv. Für ihn ging es in Richtung Theologie, die er schon immer als mögliches berufliches Betätigungsfeld ins Auge gefasst hatte. Nach einjährigem Studium wurde ihm bei seiner ersten Zuweisung schnell klar: "Das ist Gottes Weg mit dir!" Nach weiteren Studien, die er neben seiner Pastorentätigkeit erledigte, wurde er 2008 ordiniert und 2009 nach Bebra entsandt in eine kleine, aktive Gemeinde, in der er sich immer wohlgefühlt und über die er nachhaltig hinausgewirkt hat.

Trauercafé tief verwurzelt

Mit der Gemeindevertreterin Ursula Emden stieß Herrmann die Einrichtung eines Trauercafés an - auf übergemeindlicher, ökumenischer Basis. Das ist ein Beispiel dafür, dass ihm die Zusammenarbeit der christlichen Gemeinden am Herzen lag und er es gerne auf sich nahm, bis Ende September als Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises zu agieren.

"Das ist ganz toll, dass es so etwas in Bebra gibt und das Miteinander nicht nur auf hauptamtlicher Ebene stattfindet, sondern ganz tief in den Gemeinden verwurzelt ist!" Mit Dankbarkeit denke er zurück an einen bewegenden Gottesdienst, den ein koptisch-orthodoxer Bischof in der katholischen Kirche gehalten hat: "Da hat man gemerkt, da wächst was zusammen, da versteht, da trägt man sich gegenseitig." Fast schon zum Beweis dafür, dass das stimmt, verweist Herrmann auf das Foto eines Apfelbaumes, an dem ganz viele, verschiedenfarbige Äpfel hängen: "Ist das nicht eine Augenweide? Und ist es nicht das beste Zeugnis für Jesus Christus, wenn wir bei aller Verschiedenartigkeit eins sind?"

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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