Melodien aus aller Herren Länder

Konzert mit jugendlichen Flüchtlingen begeisterte das Publikum in Rotenburg

Begeisterte mit gefühlvoll, zum Teil nur nach Gehör arrangierten und vorgetragenen Liedern aus aller Herren Länder: Rotenburgs Kantorin Eva Gerlach (rechts) in der Jakobikirche mit ihrem Aus-aller-Welt-Chor mit Instrumentalisten und Percussionisten. Foto:  Apel

Rotenburg. Ein mulitkulturelles Feuerwerk aus Melodie und Gesang: So war das Konzert am Samstagabend in der Jakobikirche in Rotenburg. Jugendliche Flüchtlinge gaben dabei Einblick in die musikalischen Klänge ihrer Heimat.

Dankbar, voller Freude, tief gerührt und in der Gewissheit, ein einmaliges Ereignis miterlebt zu haben, zogen am Samstag gleich zweimal einige Hunderte Konzertbesucher aus der Jakobikirche an lachenden, singenden und zum Teil noch immer rhythmisch auf ihren Instrumenten spielenden jungen Menschen vorbei auf den Rotenburger Marktplatz.

Sie waren Zeuge geworden eines von Eva Gerlach und Stefan Kling in wochenlanger Arbeit vorbereiteten und im Rahmen des Kultursommers Nordhessen veranstalteten Events, das wie kein anderes Menschen aus nah und fern zusammengeführt und Flüchtlingen, die noch nie gesungen haben, ein bisschen Heimat in einer neuen, fremden Heimat gegeben haben dürfte.

Freude pur: Felix und Eva Gerlach mit Kindern aus aller Welt, die sich nach dem Konzert auf dem Rotenburger Marktplatz versammelten, tanzten und an internationalen Köstlichkeiten erfreuten.

Begrüßt von Dekanin Gisela Strohriegl hatten sich im jahrhundertealten Gotteshaus auf einen sanften Paukenschlag hin Kinder, Jugendliche, junge Frauen und Männer aus Äthiopien, Afghanistan, Albanien, Eritrea, Iran, Pakistan, Syrien und Deutschland in Bewegung gesetzt und rund um den Altar einen Aus-aller-Welt-Chor gebildet: Die Jugendkantorei, der Niederzwehrener Kinderchor, die Percussion-Gruppe aus dem Rengshäuser Beiserhaus, die Gruppe „L’Art de Passage“ und „Gäste“ sangen und intonierten das schöne Volkslied „Die Gedanken sind frei“. Auf immer wieder neue Art und Weise durchfluteten sie die Jakobikirche mit ungewöhnlich klingender, internationaler Harmonie - begeisterten sie von Anfang an ein erwartungsvoll mitgehendes Publikum. Ganz egal, ob es das südafrikanische Hochzeitslied „Hamba Lulu“ oder die von drei jungen Frauen hingebungsvoll gesungene Liebeserklärung an eine Mutter („Madaram“) war: Immer schwang unglaublich viel Emotion mit, sah man den Augen der Sänger an, wie sehr das Herz mitschlug.

Kultursommer Nordhessen: Die Gedanken sind frei

Auch wenn man Yusef Soltani nicht verstand: Sein Solo berührte, ließ zur Gewissheit werden, dass das von Eva Gerlach als dramatisches Liebeslied angekündigte Stück („In Akharin Bare“) tatsächlich mit dem Tod der Frau endet. Aber auch mit weiteren, mit Soloeinlagen vorgetragenen Liebesliedern aus der Heimat der Flüchtlinge begeisterten Sänger und Instrumentalisten.

Als „Die Gedanken sind frei“ ein zweites Mal erklang, wollte der Beifall nicht enden - Beifall für das kongeniale, mit Herz, Mund und Seele gegebene und vollem Körpereinsatz instrumental unterstrichene Konzert.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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