Frau klagte über Symptome

Mehr zum Ebola-Verdacht: KKH erklärt Vorgehen

Reiner Schickling

Rotenburg. Im Fall des nicht bestätigten Ebola-Verdachts bei einer Patientin, über den wir gestern berichteten, stellt das Kreiskrankenhaus Rotenburg den Ablauf anders dar als die aus Nigeria stammende Frau. Diese hatte das KKH unter anderem wegen Fiebers aufgesucht und später beklagt, sie sei vier Stunden nicht behandelt worden.

Die Patientin habe sich am Sonntag um 23.50 Uhr in der Notaufnahme des KKH vorgestellt. Die Symptome seien nicht akut gewesen, die Frau hatte die Beschwerden seit einer Woche. Wegen einer Reise nach Nigeria und der Symptomatik konnte ein Ebola-Verdacht nicht ausgeschlossen werden, so das KKH. Die Vorgehensweise sei hier vorgeschrieben und habe nichts mit der Hautfarbe zu tun.

Die Notfallaufnahme am Kreiskrankenhaus in Rotenburg sei aufgrund eines Informationsschreibens des Hessischen Sozialministeriums und interner Schulungen auf die Versorgung von Patienten vorbereitet, bei denen ein Verdacht auf Ebola bestehe. Das erklärten KKH-Geschäftsführer Reiner Schickling und Anästhesie-Chefarzt sowie Krankenhaushygieniker Dr. Reiner Sitzer. Das Ministerium habe die Vorgehensweise geregelt. Der betroffene Patient, andere Patienten und das Personal müssten geschützt werden. Das sei geschehen.

Die in diesem Fall betroffene Frau wurde danach von dem diensthabenden Arzt zu ihrer Krankengeschichte befragt. Aufgrund der Symptome und einer Nigeria-Reise ergab sich ein Ebolaverdacht. Im Anschluss sei die Frau permanent von dem Arzt betreut worden. Zusätzlich wurden die zuständige Oberärztin und der Krankenhaushygieniker hinzugezogen. Eine Verschlechterung des Allgemeinzustands der Patientin habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

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Die Patientin wollte trotzdem gegen 1 Uhr die Klinik verlassen und konnte zunächst noch zum Verbleiben bewegt werden. Das Festhalten von Patienten sei dem Krankenhaus nicht gestattet. Deshalb wurde die Polizei vom Krankenhaus informiert und war vor Ort. Die Frau habe dann gegen dringende ärztliche Empfehlung das Krankenhaus gegen 2.20 Uhr verlassen. Dass sie ins Klinikum Bad Hersfeld fahren wollte, sei im KKH nicht bekannt gewesen.

„Sicherlich besteht bei solchen Verdachtsfällen keine Routine, und es liegen Unsicherheiten bei allen Beteiligten vor. Wir stellen im Rahmen einer kritischen Nachbetrachtung fest, dass wir der Patientin eine Liege in einem Behandlungsraum hätten anbieten können. Wir bedauern, dass aufgrund des zeitlichen Verlaufs der Abklärung bei der Patientin der Eindruck entstanden ist, dass sie medizinisch nicht ausreichend behandelt wurde“, erklärten Schickling und Sitzler.

Die Leitung stellt aber klar, dass der Ebola-Verdacht nicht wegen der Hautfarbe der Patientin, sondern wegen der Kombination aus Fieber und einer Reise in Ebola bedrohte Gebiete bestand. Bei jedem anderen Patienten unabhängig von der Hautfarbe hätte man ebenso gehandelt.

Während der Wartezeit wurden auf Basis der Empfehlung des Sozialministeriums alle notwendigen Maßnahmen ergriffen: So wurden das Gesundheitsamt und die Rettungsleitstelle informiert. Da das Gesundheitsamt nicht zu erreichen war, wurde mit dem Kompetenzzentrum für hochkontagiöse lebensbedrohliche Erkrankungen in Frankfurt die weitere Vorgehensweise besprochen. Dieses schloss nach der geschilderten Symptomatik eine Ebola-Erkrankung aus. Davon wiederum wurde die Rettungsleitstelle informiert, erklärte die KKH-Leitung

Dieses Verfahren habe insbesondere wegen der schlechteren Erreichbarkeit der Behörden und Institutionen fast 2,5 Stunden in Anspruch genommen. In der Zwischenzeit sei eine weiterführende medizinische Behandlung der Patientin aufgrund des Krankheitsbildes und des Zustands der Patientin nicht zwingend erforderlich gewesen.

Auch eine Blutabnahme hätte keine kurzfristige Klärung des Sachverhaltes bringen können. Einen Ebola-Schnelltest gibt es in Deutschland noch nicht.

Man hätte nach Abklärung des Verdachtsfalls die Patientin gerne weiter behandelt. Das sei jedoch nach dem eigenmächtigen Verlassen der Klinik gegen ärztlichen Rat nicht mehr möglich gewesen. (ank)

Quelle: HNA

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