Im Kreis vom Aussterben bedroht

Meckernde Himmelsziege -Bekassine ist Vogel des Jahres

Grau-bräunliches Federkleid: Charakteristisch für die Bekassine ist der lange Schnabel. Fotos: Arno Werner/nh

Hersfeld-Rotenburg. Im trockenen Gras ist die Bekassine kaum zu erkennen. Mit dem Schnabel pickt der grau-bräunliche Vogel in die Erde, auf der Suche nach Würmern.

Hilfreich ist dabei die Länge des Schnabels: Sieben Zentimeter. Im Hintergrund ist ein Bach zu sehen, denn der Vogel mag es feucht. Dieses Video vom Vogel des Jahres zeigt Arno Werner, Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz im Kreis Hersfeld-Rotenburg auf seinem Computer. Aufgenommen hat er es in der Fuldaaue bei Blankenheim.

Der Lebensraum der Bekassine schwindet immer mehr, der Zugvogel ist vom Aussterben bedroht. Denn: Flache, nasse Wiesen gibt es aufgrund der modernen Landwirtschaft kaum noch, sagt Werner, weil sie trockengelegt werden.

Nicht in gemähten Wiesen

Doch nicht nur die schwindenden feuchten Wiesen gefährden das Tier: Auch das frühe Mähen des Grases ist für die Bekassine ein Problem. Die Brutzeit des Vogels ist von April bis Juli, da in diesem Zeitraum der Grundwasserstand hoch ist, so kann die Bekassine aussreichend Nahrung für ihre Jungen im Schlamm finden. Das Problem: Im Mai werden die Wiesen geschnitten, um Gras für Silagen, ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel für Tiere, zu erhalten. Dabei werden die Nester des Vogels zerstört. Daher findet man die Bekassine nicht in gemähten Wiesen.

Im Kreis kommt die Bekassine in den Bruchwiesen bei Mengshausen, im Rhäden bei Obersuhl und Bosserode, in der Obersuhler Aue, der Gudebacher Aue bei Braach und im EU-Vogelschutzgebiet Rotenburg-Niederaula vor. Noch in den 90er-Jahren war die Bekassine Auf dem Ried bei Iba und in den Uferwiesen bei Weiterode zu finden.

In der Fuldaaue brütete die Bekassine im vergangen Jahr zum ersten Mal nicht mehr. Anders sieht es in der Obersuhler Aue und im Naturschutzgebiet Rhäden aus, sagt Walter Gräf, Gründungsmitglied und langjähriger ehemaliger Vorsitzender der Gruppe für Naturschutz und Vogelkunde Wildeck. Er schätzt, dass es im vergangen Jahr ein oder zwei Brutpaare in der Obersuhler Aue und drei bis vier Paare im Naturschutzgebiet Rhäden gab. Erkennen könne man das an den Balzflügen der Vögel. „Auch in diesem Jahr sind die Tiere wieder da“, berichtet er. Ob sie brüten, bleibt abzuwarten.

Beim Balzflug spreizen die männlichen Vögel die Federn vom Schwanz ab. Dabei klingt ihr Zwitschern wie das Meckern eine Ziege, was dem Vogel im Volksmund den Namen Himmelsziege einbrachte.

Von Lara Sasse

Quelle: HNA

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