Martin Schulz brennt für die Idee der EU

+
Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie: Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sprach auf Einladung von Michael Roth (rechts) „phrasenfreie 60 Minuten“ und lieferte eine eindrucksvolle Verteidigung der Idee von Europa, der EU. Auch die Fernsehkamera war immer dabei.

Weiterode. Er ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Er eckt an, erregt Widerspruch, ist kein großer Diplomat, aber ein großartiger Redner: Martin Schulz war am Montagabend auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth Gast in Ellis Saal.

Der streitbare Präsident des Europäischen Parlaments kam zur Wahlkampfunterstützung seines Freundes, ließ sich mit ihm ebenso ablichten wie mit den Bundestagskandidaten Dieter Franz und Torsten Warnecke und natürlich mit Christina Kindler, der Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Bebra.

Das Fotoshooting, ein paar Autogramme - alles absolvierte Schulz mit Geduld. Sein Herz aber gehört Europa, sein Talent ist die freie Rede, kein Stichwort, an dem er sich entlanghangeln müsste, ein begnadeter Rhetoriker. Wer von Europa erst noch überzeugt werden musste, war am Montagabend auf der richtigen Veranstaltung. Überwiegend Sozialdemokraten hatten den Weg in Ellis Saal gefunden.

Phrasenfreie 60 Minuten hatte Michael Roth angekündigt. Das Versprechen hat Martin Schulz eingelöst.

„Die EU ist in einem schlechten Zustand“, räumte er ein, was aber kein Argument gegen sie sei, sondern eine Aufforderung zu Reformen. Denn: Nationale Instrumente reichten im 21. Jahrhundert nicht mehr aus, den Herausforderungen zu begegnen. Die großartige Idee des einigen Europas laufe nicht in die richtige Richtung. „Was hat die Idee mit dem Moloch in Brüssel zu tun“, fragte Schulz. Er forderte die Legitimierung der Entscheidungen des Europarats durch das Europaparlament. Stagnation sei die Folge des Einstimmigkeitsprinzips im Rat.

International müsse die EU stark sein, aber, „muss eigentlich alles Brüssel machen?“, fragte Schulz. Die Wasserversorgung zum Beispiel sei eine regionale Angelegenheit, sagte er und bekam dafür ebenso Applaus wie für die Forderung, die Milliardenumsätze von Google in Deutschland müssten auch hier versteuert werden. Nur ein einiges Europa könnte hier Druck ausüben und auch andere Werte wie menschenwürdige Arbeitsbedingungen oder ein Folterverbot bei den Handelspartnern durchsetzen. (ank)

Quelle: HNA

Kommentare