Maria Riedel feiert ihren 101. Geburtstag

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Maria Riedel mit ihren Enkelkindern Christian und Wiebke Riedel. Der Schnappschuss entstand erst kürzlich.

Nentershausen/Sontra. Ein seltener Geburtsag wird am Donnerstag im Awo-Pflegeheim in Sontra gefeiert: Maria Riedel wird 101 Jahre alt. Riedel, die seit dreieinhalb Jahren in dem Heim lebt, hat zuvor ihr ganzes Leben in ihrem geliebten Heimatort Nentershausen verbracht.

Das erzählt ihr Sohn Bernd-Ludwig Riedel.

Dort wurde sie am 9. Januar 1913 als Maria Fleischer geboren - noch lange nach ihrer Heirat nannten sie viele ältere Nentershäuser noch "Fleischers Mariechen".

Ihre ersten Lebenserinnerungen setzen in der Zeit des Ersten Weltkriegs ein, als sie allein mit ihrer Mutter aufwuchs, während ihr Vater als Sanitätssoldat auf den Schlachtfeldern in Frankreich um sein Leben fürchten musste. Erst nach dem Krieg nahm sie ihren Vater bewusst wahr, der in Nenterhausen eine Schuhmacherwerkstatt mit kleiner Landwirtschaft betrieb.

Ihre Kindheits- und Jugendjahre waren von Entbehrungen und vieler Arbeit zu Hause und auf dem Feld geprägt. Aber in ihrer Erinnerung seien es schöne Jahre gewesen, sie habe eine schöne Kindheit gehabt, auch wenn es nicht viel gab, betont Bernd-Ludwig Riedel. Sehr intensiv kann sich die Jubilarin auch heute noch an frühe Erlebnisse erinnern. Ihre Schulzeit ist ihr sehr präsent. Sie kann ihre Klassenkameraden aufzählen und auch präzise von ihrem Lehrer und dem Schulstoff berichten.

Für eine Ausbildung reichte das Geld nicht. So erlernte sie die damals üblichen hausfraulichen Tätigkeiten und verdiente etwas Geld als Haushaltshilfe in begüteteren Beamtenhaushalten, bis sie in dem aus Mansfeld im Südharz stammenden Bergmann Kurt Riedel ihre große Liebe fand. Dieser war zusammen mit anderen jungen Steigern direkt von der Bergschule in Eisleben nach Nentershausen gekommen, weil der hier aufstrebende Kupferschieferbergbau Arbeitskräfte von außerhalb anlockte.

1938 wurde geheiratet, und zum Glück verschonte der nächste Krieg die junge Familie. Die drei Kinder Reinhild, Norbert und Bernd-Ludwig wurden zwischen 1941 und 1952 geboren. "Mit Fleiß und Sparsamkeit", erinnert sich der Sohn, bauten Kurt und Maria Riedel 1955 ein Haus in Nentershausen. Dort verbrachten sie glückliche Jahre. In diesem Haus lebte Maria Riedel selbstständig auch noch lange nach dem Tod ihres Mannes. Erst vor wenigen Jahren machten ihre nachlassenden Kräfte den Umzug in ein Pflegeheim notwendig. Heute feiern die Familie, zu der inzwischen auch fünf erwachsene Enkel gehören, und die Mitarbeiter und Mitbewohner ihrer Wohngruppe den 101. Geburtstag "ihrer Oma".

Was geschah im Jahr 1913?

1913 – das Jahr, in dem Maria Riedel geboren wurde, ist für die meisten von uns unfassbar weit weg. Was geschah vor 101 Jahren? Die Welt blickte dem Ersten Weltkrieg entgegen, der auch Maria Riedels Leben beeinflussen sollte. Die Firma Siemens & Halske meldete die Wählscheibe für Telefonapparate als Patent an. Der Franzose Roland Garros überquerte als Erster im Flugzeug das Mittelmeer von Frankreich nach Tuniesien. In New York wurde das Grand Central Terminal, der größte Bahnhof der Welt, eröffnet. Die Jubilarin Maria Riedel ist exakt am selben Tag wie Richard Nixon, 37. US-Präsident von 1969 bis 1974, geboren.

Von Rainer Henkel

Quelle: HNA

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