Was tun, wenn es kracht?

Maren Colton von Pro Familia über Weihnachts-Streitigkeiten

Bad Hersfeld. Ob unter dem Weihnachtsbaum oder im gemeinsamen Urlaub: an den Weihnachtsfeiertagen kommt es häufig zum Streit zwischen Eltern und Kindern oder unter Partnern. Wir haben darüber mit Maren Colton von Pro Familia gesprochen.

Warum kommt es in der Weihnachtszeit oft zu Streit?

Maren Colton: An den Feiertagen kommt die Familie geballt zusammen. Man verbringt plötzlich viel mehr Zeit zusammen als sonst. Während man sich im Alltag eher aus dem Weg gehen kann, ist das Weihnachten nur schwer möglich. Wenn dann schon die Grundbeziehung nicht so harmonisch ist, wird es schwierig.

Wer rasselt denn besonders häufig aneinander? Kinder und Eltern oder eher die Eltern unter sich?

Maren Colton, Geschäftsführerin und Beraterin bei pro familia in Bad Hersfeld. 

Colton: Wenn es schon vorher gärt, kracht es meist unter den Partnern. Unstimmigkeiten in der Kindererziehung sind dabei häufig Auslöser für Streitigkeiten. Aber auch die Frage, wie mandie Feiertage verbringt, birgt Konfliktpotential. Wann besuchen wir die Schwiegereltern? Müssen wir da unbedingt hin? Aber auch zwischen Eltern und Kindern gibt es natürlich unterschiedliche Erwartungshaltungen. Sei es, was die Geschenke betrifft oder die Dankbarkeit, oder wenn die Kinder den Esstisch zum Computerspielen sofort wieder verlassen. Besonderes Potential für Spannungen bieten Patchworkfamilien. Da müssen klare Vereinbarungen getroffen werden, wann die Kinder bei wem feiern und wie man es mit den Geschenken hält. Wie ist es, wenn die Kinder den neuen Partner nicht mögen und man Weihnachten zusammen sitzt? Hier ist mehr Anstrengung erforderlich, es gut hinzubekommen.

Woher kommt das besondere Harmoniebedürfnis in der Weihnachtszeit?

Colton: Man erinnere sich nur an die Weihnachtsgeschichte und den Ursprung von Weihnachten. Es geht darum, füreinander da zu sein und zusammenzuhalten. Weihnachten wird nicht umsonst das Fest der Liebe genannt. Der Wunsch nach Geborgenheit und emotionaler Sicherheit ist zudem ein sehr menschliches Bedürfnis.

Wenn es eh nur Streit gibt, ist es da nicht besser, dem Ganzen gleich zu entfliehen?

Colton: Das machen ja einige. Wenn zum Beispiel ein Paar untereinander keine Schwierigkeiten hat, es aber mit den Eltern oder Schwiegereltern immer dieselben Reibungspunkte gibt, ist das doch ein legitimer Weg, dem zu entgehen, anstatt sich dem Jahr für Jahr auszusetzen.

Gibt es denn ein Patentrezept für ein Weihnachtsfest ohne Streitereien?

Colton: Ein Patentrezept gibt es natürlich nicht. Jeder geht ja auch anders mit Konfliktsituationen um. Man muss offen miteinander sprechen und seine Bedürfnisse im Vorfeld deutlich machen und miteinander abstimmen. Schwierig wird es immer dann, wenn ich Erwartungen habe, diese aber nicht kommuniziere und sie dann enttäuscht werden und ich meinem Unmut unerwartet Luft mache. Wenn das jährliche Weihnachtsessen mit den Großeltern immer schlecht läuft, muss man sich davon befreien. Die Feiertage sind eigentlich ein Geschenk, da sollte man sich auch keinen gesellschaftlichen oder familiären Zwängen unterwerfen.

Und wenn es doch zum Streit kommt?

Colton: Dann hilft es meist, erstmal aus der Situation rauszugehen, frische Luft zu schnappen, und das nicht sofort in großer Runde auszudiskutieren.

Kann der Zoff unterm Weihnachtsbaum auch etwas Gutes haben?

Colton: Wenn ich merke, in der Paarbeziehung gibt es ein Problem oder das Arrangement mit Schwiegereltern oder Geschwistern funktioniert nicht, ist das eine Chance, dieses Problem anzugehen und es in Zukunft anders zu machen.

Wann ist eine professionelle Beratung notwendig?

Colton: An dem Punkt, an dem man sich in einer Spirale befindet. Wenn Streitereien immer das gleiche Muster haben und sich keine Lösung oder kein Kompromiss finden lässt, kann es helfen, sich neutrale Unterstützung zu suchen. Partnerschaftskonflikte und familiäre Unstimmigkeiten lassen sich häufig mit Hilfe von professioneller Beratung einfacher besprechen. Wir geben allerdings keine Tipps und Ratschläge, wir helfen eigene Lösungsstrategien zu finden.

Wie harmonisch ist das Weihnachtsfest denn bei Ihnen?

Colton: (lacht) Das müssen Sie mich dann nach Weihnachten nochmal fragen ...

Von Nadine Maaz

Zur Person:

Maren Colton ist 34 Jahre alt und lebt seit 1991 in Bad Hersfeld. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Colton ist Sozialpädagogin mit einer Zusatzausbildung zur systemischen Familienberaterin und -therapeutin und systemischem Elterncoach. Von 2005 bis 2011 war sie bei pro familia in Bad Hersfeld als Sexualpädagogin unter anderem für die Beratung von Schülern zuständig. Seit 1. Juli 2013 ist Colton Geschäftsführerin und Beraterin mit dem Schwerpunkt Paar- und Sexualberatung. (nm)

Quelle: HNA

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