Hermann Eimer, Direktor des Bad Hersfelder Amtsgerichts, geht in den Ruhestand

Der Mann mit dem Plan

Bad Hersfeld. An seinem letzten Arbeitstag als Amtsgerichtsdirektor saß Hermann Eimer selbst auf der Anklagebank. Fahnenflucht lautete der Vorwurf der Kollegen, denn der 65-Jährige geht in den Ruhestand. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, dass Eimer seine Pflicht in 35 Dienstjahren am Hersfelder Gericht erfüllt hat. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

Mit dieser ganz privaten Feier im Kreise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – das offizielle Zeremoniell steht noch bevor – hat sich jetzt ein Mann verabschiedet, der die Justiz in Bad Hersfeld über Jahrzehnte geprägt und verändert hat.

Ein neuer Gedanke

Denn als er im November 1991 Direktor wurde, hatte Hermann Eimer einen Plan. Die Justiz bürgerfreundlich zu machen, war erklärtes Ziel, und es galt, das Personal davon zu überzeugen, sich als Dienstleister zu verstehen. „Heute ist das eine Selbstverständlichkeit“, sagt Eimer, „doch damals war der Gedanke relativ neu.“

Eine Daueraufgabe war die Verbesserung der Arbeitseffizienz. „Da sind wir sehr gut dabei,“ stellt der scheidende Chef fest und verweist auf die gute Position seines Hauses im Ranking der hessischen Amtsgerichte.

Den Standort stärken

Auch die Stärkung des Standortes hat Eimer stets im Auge gehabt. So hat das Hersfelder Gericht immer wieder neue Aufgaben übernommen wie beispielsweise in der Ausbildung von Rechtspflegern und im mittleren Justizdienst. Auch als Ende der 90er-Jahre die Zuständigkeiten bei den Amtsgerichten am Landgericht gebündelt werden sollten, hat sich Bad Hersfeld durch die Insolvenzabteilung sowie die Register- und Schöffengerichtsbarkeit behaupten können.

„Die Aufnahme des Rotenburger Amtsgerichts Ende vergangenen Jahres war dann die logische Konsequenz,“ stellt Eimer fest. Heute ist „sein“ Amtsgericht eines von 17 in Hessen, das alle Zuständigkeiten unter einem Dach vereint.

Den Bezug zur Praxis, zum richtigen Leben also, hat Hermann Eimer in all den Jahren nie verloren. Fast 30 Jahre lang war er als Familienrichter tätig, ein Bereich, in dem der Erfolg nicht garantiert ist, sondern erarbeitet werden muss.

Hier hat Eimer oft vermitteln können, aber auch in zwei Fällen erleben müssen, wie sich Kinder nach Streitigkeiten der Eltern das Leben genommen haben. Das hat ihn bis heute nicht losgelassen.

Auf die Frage nach positiven Erinnerungen fallen ihm gleich seine Mitarbeiter ein. „Die haben mir immer zur Seite gestanden. Darauf konnte ich mich auch in schwierigen Zeiten verlassen.“

Geben und Nehmen

Unter dem Strich muss das ein Geben und Nehmen gewesen sein, denn Hermann Eimer war als Direktor kein Technokrat, sondern einer, der auch in Amtsführung die Menschlichkeit obenan gestellt hat. „Es war eine schöne und erfüllte Zeit,“ sagt Eimer, der aus Überzeugung keine noch höhere Position angestrebt hat. Der Abschied fällt ihm jetzt dennoch nicht schwer: „Wenn einer seine Pflicht getan hat, dann darf er auch gehen.“

Über Eimers Nachfolge ist noch nicht entschieden. Es ist aber davon auszugehen, dass sein Platz von keiner unbekannten Person eingenommen wird – egal, ob es dann eine Direktorin oder ein Direktor ist.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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