Hauptredner war Bernd Stahl (IG BCE)

Maikundgebung in Bad Hersfeld: Kritik von A bis Z

Applaus und Solidarität: Zur Maikundgebung des DGB-Kreisverbands am Lullusbrunnen in Bad Hersfeld hatten sich rund 100 Zuhörer eingefunden. Links im Bild Ute von der Grün, Leiterin der Bad Hersfelder Kindertagesstätte Rosengasse. Sie hatte sich in einem kurzen Redebeitrag für eine deutliche Einkommensverbesserung für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ausgesprochen. „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren ernorm gestiegen“, so von der Grün. Über weitere – unbefristete – Streiks werde derzeit abgestimmt (HZ berichtete). Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Von A wie Ausbildung bis Z wie Zeitarbeit reichten die Themen, die Bernd Stahl von der IG BCE als Hauptredner der DGB-Kundgebung am 1. Mai in Bad Hersfeld anriss.

Der Gewerkschafter sparte dabei nicht mit Kritik an Politik und Arbeitgebern, hatte aber auch Positives zu vermelden. „Wir sind stärker und mehr geworden“, lobte er die Gewerkschaftsmitlieder, und warnte gleichzeitig: „Der Erfolg ist nicht für die Ewigkeit gemacht.“

Schade sei es mit Blick auf die verschiedenen Angebote am 1. Mai auch, dass man es nicht schaffe, eine gemeinsame DGB-Veranstaltung im Kreis auf die Beine zu stellen. Rund 100 Teilnehmer waren am Freitag dem Aufruf des Kreisverbands des Deutschen Gewerkschaft-Bundes nach Bad Hersfeld gefolgt – darunter zahlreiche Gewerkschafts-Vertreter unterschiedlicher Branchen. Von der IG Metall beispielsweise waren gleich alle Vertrauensleute des Continental-Werks in Bebra gekommen.

Tag der Arbeit: DGB-Kundgebung in Bad Hersfeld

Mehr junge Leute vermisste Sahin Cenik, der in Bad Hersfeld auch als Vorsitzender des Ausländerbeirats bekannt ist. Schließlich gehe es auch um deren Zukunft.

„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ lautete das Motto aller DGB-Veranstaltungen am 1. Mai in diesem Jahr.

Ein großes Thema in Stahls Rede war die betriebliche Mitbestimmung, die nicht immer leicht durchzusetzen sei. „Wer meint es wäre Mobbing, wenn einen die Frau zweimal bittet, den Müll rauszubringen, der hat das noch nicht erlebt“, rief er in die Menge und erntete dafür jede Menge Lacher.

Scheinselbstständigkeit, Schwarzarbeit, Mini-Jobs und Altersarmut waren weitere Themen bei der Kundgebung, und auch an der Rentenreform („Die Rente mit 67 ist scheiße“) und am transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP ließ der Gewerkschafter kein gutes Haar.

Ungleichheiten sieht Stahl immer noch zwischen Mann und Frau. Gegen die großen Unterschiede bei der Bezahlung und bei der Rente reiche „keine Frauenquote in den Aufsichtsräten“, monierte er. „Und die, die sagen, Familie und Beruf lassen sich gut vereinbaren, sind meist Männer“.

Richtig findet Stahl den neuen Mindestlohn, von dem immerhin 3,7 Millionen Beschäftigte profitierten. „Das ist eine Frage der Würde“, so Stahl. Man habe lange für den Mindestlohn gekämpft, nun gelte es, diesen zu verteidigen. Viele Arbeitgeber würden versuchen, sich um die 8,50 Euro zu drücken – etwa, indem sie Gutscheine fürs Sonnenstudio verteilten. „Gut gebräunt, aber ne arme Sau!“, kommentierte Stahl.

Deutliche Worte hatte auf der Lkw-Bühne am Brunnen einmal mehr auch der DGB-Kreisvorsitzende Klaus Schüller gefunden, der Kritik am Sparkurs der „schwatz-grünen“ Landesregierung und dem Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst übte. „Wer so mit seinen Lehrern, Polizisten und Beamten umgeht, sollte sich schämen“, rief Schüller. „Das Geld ist da, man muss es nur ordentlich umverteilen.“ (nm)

Tag der Arbeit: DGB-Kundgebung in Bad Hersfeld

Quelle: HNA

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