Michael David verzauberte das Publikum mit seinem Programm „Harfe in Blau“

Magier mit roten Schuhen

Von Georg Friedrich Händel bis Dave Brubeck: Virtuos tanzen die Finger von Michael David über die Saiten seiner Harfe und scheinbar mühelos gelingt es ihm, sein Publikum zu verzaubern. Foto: Apel

Bebra. Mildes Abendlicht fällt in die mit weißen Rosen geschmückte Auferstehungskirche in Bebra. Vor dem Altarraum sitzt Michael David mit seiner Harfe und lässt den vertrauten ersten Satz aus dem bekannten Harfenkonzert von Georg Friedrich Händel erklingen.

Es ist das Harfenkonzert schlechthin, und es passt so richtig zum Übergang vom Mai zum Juni – vom Frühling zum Sommer. Freude, Macht, Überlegenheit, aber auch Mitleid und Liebe hört der Protagonist aus ihm heraus. Das Publikum lässt sich verzaubern, lässt die Seele baumeln, so wie es der in Neumarkt in der Nähe von Nürnberg lebende David fränkisch-freundlich vorschlägt.

Viel gelernt

Zu fast jedem Stück gibt er eine kurze Erläuterung, und so erfährt man, dass er neben dem von Händel nur noch eines von Johann Ladislaus Dussek vorträgt, das im Original für Harfe geschrieben worden ist.

„Asturias“ von Isaac Albeniz ist ein Stück für Gitarre. David hat es „von sechs auf 47 Saiten“ zugeschnitten. Man fühlt sich mitgenommen in die südamerikanischen Weiten, die den mit dem Bebraer Augenoptiker Wolfgang Schneider befreundeten Meister inspiriert haben.

Bei „Harp Mambo“ lässt der Harfenist es lockerer, karibischer angehen, dann und wann mit Tonfolgen, die an Boney M. erinnern.

Wunderbar, wie er über „Let it be“ von den Beatles meditiert, wie er improvisiert und wie er schließlich das Thema verrät und variiert. Kraftvolle Töne wechseln sich ab mit zarten, erfüllen das Gotteshaus und die Herzen der langanhaltenden Beifall spendenden Zuhörer.

Hartnäckig bleiben

Den gibt es auch für die Komposition „Red Shiny Shoes“, deren Entstehung der Vorliebe des Künstlers für ausgefallene Schuhe und der langwierigen Suche nach rot-glänzenden zu verdanken ist: „Man muss hartnäckig bleiben, dann bekommt man, was man will!“ „Moondance“ nach Van Morrison und Davids Variationen zu „Sweet Georgia Brown“ unterstreichen, warum er sein Programm mit „Harfe in Blau“ betitelt hat, warum ihm „die blauen Stunden“ zwischen Tag und Nacht so teuer sind.

Als Zugabe gibt’s den von Dave Brubeck ersonnenen Jazzklassiker „Take Five“.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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