Magie der Schatten auf Klostermauern

Prächtiges Ergebnis: Auf Klostermauern sieht man die Schatten von Kutsche und Pferden sowie den kessen Kater. Fotos: Vöcke

Cornberg. Der Kultursommer Nordhessen machte Station im Kloster Cornberg. Aufgeführt wurde das Märchen „Der gestiefelte Kater“.

Das besondere dabei: Gezeigt wurden die Figuren des Stücks als Schatten im Innenhof des Klosters als Großprojektion an der Außenwand der Klosterkirche.

Dafür musste es dunkel sein. Deshalb begann die Aufführung des Schattentheaters erst um 21.30 Uhr. Rund 80 Besucher verfolgten in Decken und wärmende Kleidung gehüllt das faszinierende Spiel, in dem der jüngste Sohn des Müllers mit dem Aufteilen des väterlichen Erbes unzufrieden war. Seine Brüder erhielten Mühle und Esel, er nur den Kater. Doch gerade der verhalf seinem Herrn am Ende mit Klugheit, Einfallsreichtum und Gerissenheit zu Ansehen, Reichtum und Glück. Das waren ereignisreiche Zwischenstationen, die von der bekannten Fassung der Brüder Grimm ein wenig abwichen. Statt Rebhühnen fing der gestiefelte Kater Gänse und schenkte sie im Namen seines Herrn, dem „Marquis Carrabas“, dem König. Und statt eines Elefanten verwandelte sich im letzten Teil der allmächtige Zauberer in einen furchterregenden Drachen mit sieben Köpfen. Doch es half alles nicht. Als Maus wurde der Zauberer schließlich doch vom listigen Kater gefressen. Damit war das Happy End perfekt. Der zum Marquis aufgestiegene Müllersohn heiratete die Prinzessin und wurde auch noch König.

Aufgeführt wurde das Stück in der Reihe Grimm 2015 vom Schattentheater Vagantei Erhardt aus Lehrte in Niedersachsen. Die Mitwirkenden waren eine Künstlergruppe unter Leitung von Frieder Paasche, die das „hölzerne Ensemble“ bediente. Das waren Figuren mit bis zu siebzehn Bewegungsmöglichkeiten (Pupillen, Lider, Mund, Zunge, Kopf, Hände, Finger, Beine, Rumpf), die von ein bis zwei Spielern pro Element über Kopplungen, Fadenzüge und Hebel zum Leben erweckt wurden. Diese Figurinen sind frei im Lichtraum oder auf einer oder mehreren Schienen, an Fäden hängend, an Stäben oder direkt an Projektoren angebracht. Dabei werden sie von den unterschiedlichsten Lichtquellen und Farbglasprojektoren in Szene gesetzt. Nach der Vorstellung hatten die Besucher die Gelegenheit, sich beim Blick hinter die Kulissen die Figuren und die Technik des Schattentheaters erklären zu lassen.

Von Herbert Vöckel

Quelle: HNA

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