Sein Glück war Hummels' Pech

Wie im Märchen, aber wahr: WM-Debüt für Shkodran Mustafi aus Bebra

+
Fernsehen im Kreise der Familie in Mazedonien: Kujtim Mustafi (hinten im roten Hemd) freut sich verhalten über das WM-Debüt seines Sohnes Shkodran. Das Foto sendete uns Kujtim Mustafi kurz nach dem Spiel per Handy. Foto: privat/nh

Bebra/Bad Hersfeld. Fans der deutschen Elf , die in der 73. Minute noch nicht im Siegesrausch waren, wissen nun, wer Shkodran Mustafi ist. Der 22-jährige Abwehrspieler von Sampdoria Genua, der in Bad Hersfeld geboren wurde und in Bebra aufgewachsen ist, absolvierte die letzten 17 Minuten als rechter Außenverteidiger.

Mustafis Glück war das Pech von Mats Hummels, der wegen einer Knieverletzung ausgewechselt werden musste.

Mustafi, der nach der Verletzung von Marco Reus nachnominiert wurde, profitiert nun auch davon, dass Bundestrainer Joachim Löw derzeit in der Abwehr auf vier Innenverteidiger setzt. In Löws Rangliste ist Shkodran Mustafi offenbar die Nummer fünf.

Und gerade so, als wäre sein WM-Debüt nicht schon märchenhaft genug, durfte der gebürtige Nordhesse in der Schlussphase der Partie sogar noch Portugals Superstar Cristiano Ronaldo ausschalten. Denn Joachim Löw hatte leicht umgebaut. Nach dem Ausfall von Hummels beorderte der Bundestrainer Jerome Boateng neben Per Mertesacker in das Abwehrzentrum, während Mustafi auf der rechten Seite verteidigen sollte. Ronaldo aber hatte längst resigniert, sodass es für den 22-Jährigen kinderleicht war, den Superstar zu stoppen.

Lesen Sie auch:

Ronaldo? Einfach weggemüllert!

Souveränes Stellungsspiel und drei Ballberührungen reichten, um das Duell gegen Ronaldo klar zu gewinnen. Als sein Sohn Shkodran in Salvador den Rasen betrat, freute sich sein Vater Kujtim in Mazedonien, seiner ursprünglichen Heimat, vor dem Fernseher. Die Freude aber war verhaltener, als sie in seiner jetzigen Heimat Bebra gewesen wäre, denn der Anlass für die Reise war ein trauriger. Ein 88-jähriger Onkel von Kujtim Mustafi ist gestorben, und erst am Donnerstag – nach der Trauerfeier – kehrt Shkodran Mustafis Vater nach Hause zurück. Dennoch sagt er: „Ich glaube, ich träume.“ Meine Verwandten sagen mir dauernd, dass dies die Realität ist, aber das glaube ich nicht.“

Dann aber wird deutlich, dass Kujtim Mustafi ein Fußballexperte ist. Weil er registriert hatte, dass vier Innenverteidiger auf dem Platz gestanden hatten, war Shkodrans Vater gar nicht so überrascht, dass sein Sohn plötzlich am Spielfeldrand auftauchte und für die Einwechslung bereit war. „Mit Shkodran oder Matthias Ginter hatte ich gerechnet“, sagt er. Kujtim Mustafi vergisst Mats Hummels nicht. „Hoffentlich ist er nicht so schwer verletzt, dass die WM nun für ihn vorbei ist.“ Das sagt der Vater des Mannes, der künftig gar zur Startelf gehören könnte.

Von Gerd Brehm

Quelle: HNA

Kommentare