Lutz von Lipinsky Rosenberg zu Gast auf der Bühne im Kloster Cornberg

Das Spiel mit der Angst

Mit viel Tempo unterwegs, sprachgewaltig, dialektsicher, sehr oft sehr direkt und mit kritischen Anmerkungen auf der Höhe der Zeit: Der Hamburger Kabarettist Lutz von Lipinsky Rosenberg animierte zum Denken im Denkmal. Foto: Apel

Cornberg. Rasant und mit gehörigem Anspruch auf Mitdenken spazierte Lutz von Rosenberg Lipinsky am Freitagabend auf der Kulturbühne des Klosters Cornberg durch das Gefühlsleben der verängstigten Deutschen.

Weil die Sparkassenstiftung Kultur und die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg dem Kulturverein in der Reihe „Hör-mal im Denkmal“ auch diesmal wieder unter die Arme greifen, nimmt der schon seit einigen Jahren „Mitte Ende 30“ alte Hamburger seine Zuhörer in seinem Programm „Angst.Macht.Spaß“ zunächst mit in die schleswig-holsteinische Humorhochburg Kappeln. Schnell kommt er auf die angeblichen finanziellen Machenschaften rund um das deutsche WM-Sommermärchen zu sprechen: „Für den Schiedsrichter im Spiel gegen Italien hat’s wohl nicht mehr gereicht!“ Und auf den zu einem höheren Wesen mutierten „Kaiser“, der mit seiner „Wünschelrute“ immer nur Sekretärinnen geschwängert habe.

Ja und überhaupt, was ist nur aus dem Volk der Dichter und Denker und Ingenieure geworden: „Die Berliner beleuchten Tag und Nacht die Bauruine BER. Die wissen nicht, wo der Aus-Schalter ist. Inzwischen überlegen sie sogar, ihre Stadt in die Nähe eines funktionierenden Flughafens zu verlegen. Am Ende noch nach Kassel-Calden?!“

Aber der studierte Theologe wendet sich auch seinem Thema zu – der Angst im Allgemeinen und der „German Angst“, die er mit Verweis auf diverse Lebensmittelskandale untermauert und auf humorvolle Art und Weise sogleich wieder infrage stellt: „Dass uns ausgerechnet Gurken angreifen. Gerade alleinerziehende Frauen waren von ihren Gurken schwer enttäuscht! Ob das die Strafe Gottes für die Emanzipation ist?“

Die trotz aller suizidaler Neigungen 2015 erstmals wieder angestiegene Geburtenrate veranlasst ihn, sich mit der Familienpolitik der dafür zuständigen Bundesministerinnen zu beschäftigen und allen voran die siebenfache Mutter Ursula von der Leyen direkt aufs Korn zu nehmen: „Bei ihr war Fortpflanzung Mission und Kampfansage an die türkischen Mitbürger!“

Auch Thomas de Maiziere und die Kanzlerin bekommen ihr Fett weg und letztendlich ist für ihn klar: „Angst ist ein Machtinstrument. Man muss nicht glauben, dass alles schief geht. Fragt, wo Ihr hinwollt und lasst uns feiern!“ Freundlicher Applaus und ebenso freundliche Zugabe mit herrlichen Kalauern über den Umgang mit Hotelhandtüchern.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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