Deutsch-französisches Abenteuercamp fand in der Rotenburger Jugendherberge statt

Lust auf Sprache wecken

Freundschaft geht auch durch den Magen: Zur Stärkung gab es Häppchen aus zwei Ländern für die Freizeit-Teilnehmer.

Rotenburg. „Uh - ya“ brüllen die Kinder immer wieder, und bei jedem Ruf tanzen Julia und Céline, gehüllt in die deutsche und die französische Flagge, wild umeinander. Hier, in der Rotenburger Jugendherberge, wo am Samstag deutsch-französischer Kulturtag gefeiert wurde, ist die verschworene Gemeinschaft einer ganz außergewöhnlichen Kinder- und Jugendfreizeit entstanden.

87 Kinder und 15 Betreuer aus Frankreich sind für eine zehntägige Freizeit ins zentral gelegene Rotenburg gekommen, die die Kulturen zusammenführen soll. Die jüngsten Kinder sind vier Jahre alt.

Im Kanon

„Seid ihr froh, bei diesem Fest dabei zu sein?“ ruft Julia, die französische Betreuerin, den Kindern auf Deutsch zu, und fast im gleichen Moment übersetzt Céline, die deutsche Betreuerin mit französischem Namen, ins Französische. Die Kinder jubeln, und dann beginnen sie ihre Vorführungen, tanzen und turnen, die Jüngsten singen mit der ganzen Gruppe „Bruder Jakob“, den Kanon, für den es einen deutschen und einen französischen Text gibt.

Auf den auf Tischen präsentierten Häppchen wehen kleine Papierfahnen beider Länder. Die Kinder haben sie aus ihrer Heimat mitgebracht: Salami aus Thüringen und aus der Auvergne, dazu süße französische Kekse. Die Älteren haben in der vom deutsch-französischen Freundschaftstreff besetzten Jugendherberge Spiele für die anderen vorbereitet. Dass im zweisprachigen Memory-Spiel aus dem „Storch“ ein „Stroch“ geworden ist, stört hier keinen. Auf französisch heißt er „cigogne“.

Anke Just, 26 Jahre alt, Studentin aus Chemnitz, ist Betreuerin. Die Kinder bekommen keinen Unterricht, erklärt sie. Vielmehr gehe es darum, in den Kindern die Lust auf die Fremdsprache zu wecken. Dafür machen die Betreuer Sprachspiele oder schaffen einfach nur die Voraussetzung für Kommunikation. Die Kinder übernachten in Zimmern mit gemischten Gruppen, putzen gemeinsam Zähne, machen zusammen Frühstück. „Sprachanimation“ nennt Just das.

Der siebenjährige Exupéry aus Straßburg mit braunem Haar und dunkelbraunen Bärenaugen kann schon Deutsch und Französisch, weil seine Eltern eine Mischehe eingegangen sind. Er findet das Rotenburger Freibad gut, den nah gelegenen Eisladen und das Museum Wortreich in Bad Hersfeld. „Es ist cool, deutsche Kinder kennenzulernen“, sagt er. Thea aus Chemnitz nimmt schon an den interkulturellen Austauschen teil, seit sie ganz klein ist. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Mit Händen und Füßen kann man sich verständigen.“

Träger des Austauschs sind der deutsche Verein „Rasselbande“ und der französische Verein „Association les Petits Débrouillards“.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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