Gemeinde fühlt sich von Politik allein gelassen

Ludwigsau kämpft um Waldtangente

Ludwigsau. Einstimmig haben die Gemeindevertreter von Ludwigsau die von Tennet vorgestellte Vorzugsvariante zum Verlauf der 380-kV-Starkstromtrasse im Gemeindegebiet abgelehnt. In einem Antrag der SPD-Fraktion, dem auch die CDU zustimmte, favorisiert die Gemeinde weiterhin die so genannte Waldtangente, die zudem kürzer wäre.

Tennet hatte erklärt, diese Variante wäre schwieriger zu realisieren und außerdem nicht klagesicher. Der Gemeindevorstand soll nun Regierungspräsident Lübke, die Bundesnetzagentur und alle beteiligten Bundesministerien einschalten und sie darüber informieren, dass durch die von Tennet favorisierte Trassenvariante vermutlich Mehrkosten entstünden.

In Ludwigsau schwindet das Vertrauen in die Beteiligung der Bürger an wichtigen Entscheidungen. „Es ist ein Hohn, wie hier mit uns verfahren wird“, sagte SPD-Fraktionschef Rainer Koch in der Debatte über die von Tennet vorgeschlagene Vorzugsvariante.

Sein Parteifreund Heino Stange erinnerte an andere Kämpfe, die die Gemeinde bislang aussichtslos führt: Zum Beispiel für eine Umgehungsstraße oder gegen den Bahnlärm. „Uns wurde schon viel versprochen, aber unser Vertrauen in die Bürgerbeteiligung und die Mitnahme der Menschen vor Ort ist nach diesen Erfahrungen gering.“ Gleichzeitig beklagte Stange auch die fehlende Unterstützung durch den Kreis und die Wahlkreisabgeordneten.

Auch Heinrich Fink von der CDU glaubt den Worten der Trassenbetreiber von Tennet nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Waldtangente technisch so schwierig umzusetzen sein soll.“ Er würde es sogar auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, wenngleich die Gemeinde in dieser Fragen eigentlich kein klassisches Klagerecht habe. Einig waren sich alle Gemeindevertreter bei ihrer urlaubsbedingt schon etwas dezimierten Sitzung am Donnerstagabend, dass „das letzte Wort im Theater um die 380-kV-Leitung noch nicht gesprochen ist“, wie es Rainer Koch formulierte. Er warnte davor, dass womöglich schon bald über eine dritte Starkstromtrasse nach Mecklar verhandelt wird, bei der jetzt gemachte Fehler noch weitreichender Folgen hätten. (kai)

Quelle: HNA

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