Loot verlässt nach 18 Jahren Altenzentrum Hospital

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Bad Hersfeld. Umbrüche hat Ronald Loot in seinem Leben schon einige erlebt. Und er weiß, dass es nicht leicht ist, loszulassen. "Das Altenzentrum Hospital ist mein Baby", sagt Ronald Loot.

Bad Hersfeld. Umbrüche hat Ronald Loot in seinem Leben schon einige erlebt. Und er weiß, dass es nicht leicht ist, loszulassen. "Das Altenzentrum Hospital ist mein Baby", sagt Ronald Loot.

Nach 18 Jahren hier wegzugehen tut ihm weh, das gibt er offen zu. "Dieser Schritt ist vernünftig, aber schmerzhaft", kommentiert er seinen Wechsel zum Haus Emmaus in Fulda.

Das Alten- und Pflegeheim in Fulda ist mit 45 Plätzen noch nicht einmal halb so groß wie das Hospital in Bad Hersfeld. Und das bedeutet weniger Arbeit und weniger berufliche Belastung für Loot, der an Muskelschwund leidet. "Die Behinderung wird fortschreiten", sagt er ganz sachlich. "Und Stress ist da nicht gut."

Aber Loot wäre nicht Loot, wenn er nicht mit Zuversicht und Gottvertrauen auch diesem Umbruch positive Seiten abgewinnen würde. Und die Gelegenheit, das kleinere Haus in Fulda zu übernehmen habe sich eben jetzt ergeben, die wolle er nutzen, meint er. "Mit Dankbarkeit kommt man viel weiter", sagt Ronald Loot und zitiert den 103. Psalm: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." Er habe in seinem Leben schon so viel Gutes erfahren, sagt Loot und ist zuversichtlich, dass Gott auch weiterhin für ihn sorgen wird.

Diese Zuversicht versucht er auch den Bewohnern des Altenzentrums zu vermitteln, wenn sie mit den Umbrüchen in ihrem Leben zu kämpfen haben.

Als er das Altenzentrum Hospital am 1. Februar 1995 übernahm, frisch aus der Ausbildung für Krankenpflegemanagement, sei das schon eine große Herausforderung für ihn gewesen, räumt der studierte Theologe ein. Zuvor hat er in Holland und von 1986 bis 95 in Bebra, Eschwege und Herleshausen als Pastor für die evangelische Freikirche gearbeitet. Diese Tätigkeit sei jedoch wenig behindertengerecht gewesen, erzählt Loot. Deshalb habe er sich mit Unterstützung des Arbeitsamtes zu einer Umschulung entschieden.

Ein Haus wie das Altenzentrum Hospital mit 100 Dauerpflegeplätzen, 70 Wohnungen, 15 Tagespflegeplätzen und 110 Mitarbeitern sowohl nach christlichen Grundsätzen als auch betriebswirtschaftlich rentabel zu führen, das hat Loot sich zur Aufgabe gemacht. "Es ist nicht einfach, aber es funktioniert", sagt er heute. Verantwortung ist ein Wort, das oft fällt, wenn Ronald Loot über seine Arbeit spricht. Der Verantwortung für das Wohlergehen der Bewohner und der Mitarbeiter ist er sich jederzeit bewusst. Auch im Umgang mit Handwerkern oder Lieferanten hat Loot sich immer um Fairness und Transparenz bemüht.

Ronald Loot ist kein Mensch, der nur verwalten will. Er hat Visionen und sucht nach Wegen, sie umzusetzen. So entstanden unter seiner Leitung die Tagespflege, der mobile Pflege- und Mahlzeitendienst und die Altenberatung im Haus. Dachterrassen wurden angelegt, das ganze Haus umgestaltet und zuletzt in einem verwahrlosten Gartenstück ein großer Erlebnisgarten angelegt, der vielfältige Möglichkeiten für die Senioren bietet.

Wenn Loot durch das Altenzentrum geht, sieht er sich immer als künftiger Bewohner einer solchen Einrichtung. Und er überlegt sich, was ihm gefallen und gut tun würde und was nicht. Dabei ist ihm auch immer sehr bewusst, dass der Umzug ins Heim für die Bewohner einen großen, meist ungewollten Umbruch bedeutet. Und er freut sich, wenn viele von ihnen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit feststellen, dass es ihnen dort besser geht, als vorher, als sie oft allein und einsam in einem großen Haus lebten.

Zur Person:

Ronald Loot wurde am 27. Januar 1957 in Coevorden in den Niederlanden geboren und hat in Utrecht Theologie studiert. Schon während des Studiums lernte er seine aus Nordhessen stammende Frau kennen, die dort für „Kirche unterwegs“ Mitarbeiter aus Holland suchte, um die vielen Holländer auf deutschen Campingplätzen erreichen zu können. Sein Vikariat leistete Loot an der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Kassel ab. Anschließend war er von 1986 bis 95 als Pastor der Freikirche in Bebra, Eschwege und Herleshausen tätig. Seit 1995 leitet er das Altenzentrum Hospital in Bad Hersfeld. Ehrenamtlich ist Loot unter anderem im evangelischen Hospizverein – dort ist er einer der Gründer –, im Arbeitskreis christlicher Kirchen, bei der Freikirche und bei der Zukunftswerkstatt engagiert. Mit seiner Frau hat er zwei Pflegekinder angenommen. Die Loots werden weiterhin in Bad Hersfeld leben. „Hier habe ich meine Wurzeln“, sagt Loot. (zac)

Quelle: HNA

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