Den Löwen im Wappen 

Unterricht in Staatskunde und Recht für Flüchtlinge 

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Sie machen mit beim Staatskundeunterricht als Veranstalter, Lehrende oder Zuhörer: sitzend von links der Leiter der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege, Lothar Seitz, Dolmetscher Bahram Dormichian, Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock, zwei „Schüler“, Dozent Ralph Hikade, stehend von links ein interessierter Flüchtling, Einrichtungsleiter Thomas Baader, Ehrenamtskoordinator David Kiefer, Dozent Jörg Peters, Koordinatorin für Flüchtlings- und Gemeinwesenarbeit, Carolin Richardt. 

Rotenburg. Warum ist der Löwe das hessische Wappentier? Als ein Flüchtling im Saal diese Frage stellt, herrscht erstmal betretenes Schweigen bei den deutschen Zuhörern. 

Gute Frage – wer weiß das schon? Wir sind beim Staatskunde-Unterricht in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Rotenburger Alheimer-Kaserne.

Seit drei Wochen gibt es das von den Flüchtlingen sehr gut angenommene Angebot: Zweimal wöchentlich erklären Dozenten der hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (Verwaltungsfachhochschule) ehrenamtlich den Flüchtlingen das deutsche Staatswesen, stellen das Grundgesetz, Grundrechte und das Rechtsstaatsprinzip vor. Den Dozenten stehen Übersetzer zur Seite.

Mit im Boot sind vier Richter und Mitarbeiter des Amtsgerichts in Bad Hersfeld, die den Flüchtlingen Familien-, Straf- und Zivilrecht in einfachster Form erläutern.

Politiker-Bilder

Ingo Peters, Fachbereichsleiter für öffentliches Recht an der Hochschule, berichtet, dass die Flüchtlinge höchst interessiert und lebhaft diesen Stunden folgten. Er selbst sei froh, dass er den Unterricht anbieten könne. „Diesen Kontakt hätte ich sonst nicht zu den Flüchtlingen. Er hilft, Vorurteile abzubauen.“ Peters und sein Kollege Ralph Hikade arbeiten mit vielen Bildern, um den Flüchtlingen Grundsätzliches über Deutschland nahezubringen. Von der Deutschland-Karte und der Flagge über Fotos vom Reichstag bis hin zu Bildern führender Politiker (die Kanzlerin kennen alle) werden einfache Einstiege in das Staatswesen geboten.

Dass man weder Frauen noch Kinder schlagen darf, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind und es gleichgeschlechtliche Partnerschaften gibt, wird natürlich auch angesprochen. Thema ist auch Rechtsstaatlichkeit und die Rolle der Polizei.

„Der Unterricht lebt auch von den Fähigkeiten des Übersetzers“, sagt Jörg Peters. Bahram Dormichian ist einer von ihnen und übersetzt in Farsi und Dari, einem afghanischen Dialekt. Er lebt schon seit 50 Jahren in Deutschland. Den Förderalismus zu erklären fällt ihm nicht schwer.

Vorbild für andere

Das Projekt wurde von Einrichtungsleiter Thomas Baader und der Koordinatorin für Flüchtlings- und Gemeinwesenarbeit, Carolin Richardt, sowie Vertretern der Hochschule angestoßen und entwickelt. „Es läuft so gut, dass überlegt wird, das Konzept auf andere Flüchtlingseinrichtungen in Hessen zu übertragen“, sagt Thomas Baader.

Und nun die Auflösung: Der Hessenlöwe wurde ursprünglich von den Ludowingern als Wappentier benutzt, die als Landgrafen von Thüringen auch große Teile Nord- und Mittelhessens regierten. Das war im 12 und 13. Jahrhundert.

Quelle: HNA

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