Lieblingsorte

Bei Neumanns Ruh trafen wir Linken-Landtagskandidat Brumma

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Jens Brumma auf einem Spazierweg oberhalb der Stadt: Hier ist der Lieblingsort des 38-jährigen Bebraners.

Bebra. Am 22. September werden Bundestag und Landtag gewählt. Unsere Zeitung war mit den Direktkandidaten aus der Region, deren Parteien bereits im Parlament vertreten sind, an deren Lieblingsorten. Heute: Jens Brumma, Landtagskandidat der Linken für den Wahlkreis 10 – Rotenburg.

Jens Brummas Lieblingsort ist das lauschige Fleckchen namens Neumanns Ruh, ein Erholungsort mit Hüttchen und Bänken oberhalb Bebras. Auf dem Fußweg dorthin lässt Brumma die Stadt, aus der der Turm der Auferstehungskirche ragt, hinter sich.

Heimatverbunden ist der 38-Jährige. Hier oben findet er Entspannung, wenn er früh am Morgen sein Modellflugzeug über dem Nebel der Stadt kreisen lässt, am Abend die Lichtspiele in den Wolken über Rotenburg beobachtet oder an die vielen Partys denkt, die hier gefeiert wurden.

Zum Pressetermin trägt Brumma Dreitagebart und eine weite Flecktarnhose, dazu ein Oberteil mit einem Schriftzug in fetten Buchstaben: "Revolution". "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker", erklärt er. "Ich habe es schon immer gehasst, wenn kleine Leute geschlagen oder ausgebeutet worden sind."

In der Schule hat Brumma im Politikunterricht geträumt. Für Politik hat er sich erst interessiert, als in Bebra in den 90er- Jahren eine Justizvollzugsanstalt gebaut werden sollte. Brumma war dagegen, weil, wie er sagt, Bebra ohnehin schon einen schlechten Ruf hatte. Er fühlte sich zuerst zur SPD hingezogen, wandte sich von ihr aber wieder ab, enttäuscht von Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Der ist eingeschlafen und war nur Medienkanzler." Seine politische Heimat fand Brumma bei der Linken: "Die einzige Partei, die sich überhaupt noch für die Bürger interessiert und die gegen Kriegseinsätze ist."

Brumma, gelernter Einzelhandelskaufmann, arbeitet beim Versandhaus Amazon in Bad Hersfeld im Lager. Als Mitglied der Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi kämpft er seit über einem Jahr für einen Tarifvertrag bei Amazon und gegen die prekären Beschäftigungsverhältnisse, die durch Leiharbeit entstehen. "Jede Beschäftigung sollte definitiv versicherungspflichtig sein", sagt er. "Kein Arbeitgeber darf sich darum drücken, Sozialleistungen zu zahlen."

Auch wenn Jens Brumma kürzlich seiner Freundin zuliebe nach Odensachsen gezogen ist, bleibt er seiner Heimatstadt verbunden. Jede Bodenwelle kennt er in Bebra. "Ich sehe die Stadt so, wie sie früher war", sagt er. "Es tut mir weh, dass immer mehr Leute aus Bebra wegziehen, weil sich hier keine Chancen ergeben."

Auch die maroden Straßen und die Baustellensituation gefallen ihm nicht. "Es wird viel am Bürger vorbei entschieden. So sollte Politik nicht laufen.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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