Jasmin Tabatabai und das David Klein-Quartett begeisterten in der Schildehalle

Lieber Sünde als keine Liebe

Jasmin Tabatabai und das David Klein-Quartett begeisterten in der voll besetzten Schildehalle mit Liedern von Frauen und Männern, Liebe und Leidenschaft. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Fast ein wenig schüchtern wirkt Jasmin Tabatabai, wie sie da in ihrem beigefarbenen Kleid auf der Bühne steht, die Hände ineinander verschlungen, und von „Augen in der Großstadt“ singt. Der Text stammt von Kurt Tucholsky, und über Tucholsky haben sie sich auch kennengelernt, die Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabai und der Saxofonist, Komponist und Produzent David Klein. Das war bei den Dreharbeiten zu der Verfilmung von Tucholskys Schloss Gripsholm.

„Jasmin, wir sollten mal was zusammen machen“, soll Klein gesagt haben, erzählt Tabatabai. Doch es dauerte mehr als zehn Jahre, bis aus den Plänen Realität wurde. Entstanden sind dabei das Album „Eine Frau“ und ein Konzertprogramm für Tabatabai und das David Klein-Quartett. Damit rissen die Sängerin und die vier Vollblutmusiker nicht nur das Bad Hersfelder Publikum in der Schildehalle zu Begeisterungsstürmen hin, dafür erhielt Jasmin Tabatabai auch den Jazz-Echo als beste Sängerin.

Geschichten erzählen

Mit ihren Liedern will sie Geschichten erzählen, von Frauen und Männern, von Liebe und Leidenschaft, von Betrug und Enttäuschung. Auf die große Geste verzichtet sie dabei ebenso wie auf Koketterie oder offensiv zur Schau gestellte Erotik. Sie wirkt eher einsam und ein wenig traurig, wie sie Friedrich Hollaenders „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre“ ins Mikrofon haucht und schließlich feststellt „Ich gehöre nur mir ganz allein“.

„Die Lösungen im Leben liegen nicht beim nächsten Mann, nur in dir selber, denk immer dran“, lautet folglich eine Zeile aus dem Titelsong des Albums und der Tournee „Eine Frau“, der von David Klein geschrieben wurde.

Warum er so feministische Texte schreibe, will Jasmin Tabatabai von Klein wissen. „Das hat mir meine Mutter so beigebracht“, scherzt der.

So richtig gut kommen die Männer in der ersten Hälfte des Programms nicht weg. In „Ein Brautkleid war’s nie“ erzählt Tabatabai von zwei Dutzend Hochzeiten, die sie als Brautjungfer erlebt hat. Viele der Ehen sind sehr schnell gescheitert, und sie überlegt sich nun, ob sie die Kleider verkaufen soll. Tatsächlich war Jasmin Tabatabai schon einmal verheiratet, erzählt sie, und würde es jederzeit wieder tun, weil sie Heiraten einfach toll findet.

Überwiegend romantisch

Überwiegend romantisch und melancholisch geht es nach der Pause weiter - mit Liedern über die Liebe, aber auch über herzzerreißenden Liebeskummer. Und natürlich der Frage, ob denn Liebe Sünde sein könne und dem Bekenntnis, dass es im Zweifelsfall besser sei, Sünden zu begehen als ohne Liebe zu leben.

Wunderbarer Klangteppich

Zu Jasmin Tabatabais Liedern und ihrer mal ganz klaren, mal rauchigen Stimme legt das David Klein-Quartett einen wunderbaren Klangteppich, der immer wieder aufgebrochen wird durch meisterhafte und leidenschaftlich vorgetragene Soli.

Von Christine Zacharias

Quelle: HNA

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