Herta Goldmann aus Bebra feiert am Sonntag ihren 100. Geburtstag

Mit der Liebe zur Musik

Herta Goldmann aus Bebra wird am morgigen Sonntag 100 Jahre alt. Foto: Hefter

Bebra. Herta Goldmann gehört zu den Menschen, in deren Gegenwart man automatisch gute Laune bekommt. Die zierliche alte Dame strahlt Freundlichkeit und eine Gelassenheit aus, die nur jemand hat, der mit sich selbst im Reinen ist. Gemessen an ihrem hohen Alter ist sie noch bemerkenswert fit. Am morgigen Sonntag, 1. Juli, feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Aufgewachsen ist Herta Goldmann, die damals noch Willer hieß, mit vier Geschwistern in Breslau. Sie gehörte einem Mandolinen- und Wanderverein an, lernte als zweites Instrument Klavier. „Ich hatte eine sehr schöne Kinder- und Jugendzeit“, berichtete sie mit einem Lächeln. Die Liebe zur Musik hat sie sich bis heute bewahrt, sie singt noch immer gern und kann die Texte vieler Lieder auswendig.

Im Sommer 1933 heiratete Herta Goldmann ihren Ehemann Herbert. Sie wurden in der Erlöserkirche in Breslau getraut. Die beiden bekamen zwei Söhne, Klaus und Harry, die 1935 beziehungsweise 1940 geboren wurden. Doch das Familienglück hielt nicht lange an, Herbert Goldmann wurde eingezogen. In den Kriegswirren verlor sich die Familie aus den Augen. Herta Goldmann musste mit den Kindern flüchten, landete in Delmenhorst bei Bremen. 1947 wurde Herbert Goldmann glücklicherweise in Bebra ausfindig gemacht, die Familie fand hier eine zweite Heimat.

Beide Söhne wanderten später in die USA aus, wo bereits eine Schwester von Herta Goldmann lebte. Die Goldmanns besuchten die Söhne, so oft es ihre bescheidenen Verhältnisse erlaubten. Vier Enkelkinder, acht Urenkel und ein Ururenkel sind inzwischen zur Familie hinzugekommen.

Herbert Goldmann, der Eisenbahner war, verstarb vor 30 Jahren. Obwohl ihre Söhne sie gern zu sich in die USA geholt hätten, wollte Herta Goldmann immer in Bebra bleiben, wo ihr Mann begraben ist. Ihre Söhne rufen sie jeden Tag an und kommen ein- bis zweimal im Jahr zu Besuch. Ihre alte Heimat hat Herta Goldmann erst nach der Grenzöffnung wieder gesehen, als die Söhne auf ihren Wunsch mit ihr nach Breslau reisten.

Mit Hilfe eines gut organisierten Helfer-Netzes kann Herta Goldmann noch ein eigenständiges Leben führen. Gisela und Helmut Gast aus Baumbach sowie ihre Nichte kümmern sich regelmäßig und intensiv um die alte Dame. Helmut Gast ist ein Schulfreund von Sohn Klaus und ging bei den Goldmanns ein und aus. Dort wurde er wie ein eigenes Kind behandelt und fühlt sich der Familie seither tief verbunden.

Auf ihren 100. Geburtstag freut sich Herta Goldmann sehr, besonders weil einige Familienmitglieder aus den USA anreisen werden. Die Frage, ob sie ein Rezept dafür hat, 100 Jahre alt zu werden, beantwortet sie lachend: „So ein Rezept gibt es nicht.“

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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