Kriegsversehrte sorgen mit nächtlichen Partys für Wirbel im HKZ

Prangern den Missstand an: Martina Neumann war nach einer Herzoperation Patientin im Herz- und Kreislaufzentrum. Die für die Genesung nötige Ruhe hat sie aber nicht gefunden, weil mehrere libysche Patienten in der Etage über ihr die Nacht zum Tag machten. Ihr Lebensgefährte Manfred Schuchert brachte die Zustände, die das Krankenhaus nicht leugnet, an die Öffentlichkeit. Foto: Janz

Rotenburg. Wer sich nach einer schweren Operation erholen muss, braucht viel Ruhe. Genau das hat Martina Neumann im Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) nicht gefunden, nachdem sie Anfang März am Herzen operiert worden ist:

Sie berichtet von ständigem nächtlichem Lärm aus der Station über sich, auf der Kriegsversehrte aus Libyen behandelt werden.

„Die haben die Nacht zum Tag gemacht“, sagt Neumann: Musik dröhnt bis in die Morgenstunden, Flaschen rollen über den Fußboden, Stühlerücken tötet den letzten Nerv, dazu der Gestank von Alkohol und Zigaretten.

Rauchverbot und Nachtruhe ab 22.30 Uhr würden ignoriert. An Erholung sei da nicht zu denken gewesen.

„Sie hat keine Nacht ruhig schlafen können“, sagt Neumanns Lebensgefährte Manfred Schuchert, der sich um die Gesundheit seiner Freundin, aber auch der übrigen Patienten auf den kardiologischen Stationen sorgt.

Kritik an Klinikleitung

Er kritisiert vor allem die Klinikleitung: Während die Versuche von Schwestern, die Ruhestörer zur Räson zu bringen, ohne Erfolg blieben, sei den Beschwerden von Seiten der HKZ-Chefetage nicht nachgegangen worden: „Die Führungsebene hat total versagt“, klagt Schuchert, der für mehrere betroffene Patienten die Zustände an die Öffentlichkeit bringt.

Als einzige Reaktion sei denjenigen, die sich besonders vehement beschwerten, die Verlegung in die exklusive Rodenberg-Klinik angeboten worden - auch Martina Neumann. „Aber ich lasse mich nicht kaufen“, sagt sie.

Von einem Versuch, die Kritik mundtot zu machen, könne keine Rede sein, sagt HKZ-Geschäftsfüher Ulrich Hornstein. Vielmehr sollte den Patienten schnell geholfen werden, die besonders unter den Umständen litten. Inzwischen greife die Klinikleitung durch.

Hornstein setzte der libyschen Gruppe ein Ultimatum bis Mitte der Woche: Wenn die Partys weitergehen, werde künftig ein Sicherheitsdienst auf die Nachtruhe achten. Wie Hornstein gegenüber unserer Zeitung erklärte, hätten diese Drohungen gefruchtet. Zuletzt sei es ruhig geblieben.

Was die Klinikleitung sich noch hat einfallen lassen, um die Situation in den Griff zu bekommen, und wie sich das HKZ einen so guten Ruf in Libyen erworben hat, lesen Sie in unserer gedruckten Samstagausgabe.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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