Georg Becker aus Bebra bewahrt 70 Jahre alte Geschenke seiner vermissten Onkel auf

Letzter Gruß auf Birkenrinde

Leider nur unscharfe Erinnerungsbilder: Georg und Rosemarie Becker blättern in alten Familienfotos. Von den seit 1943 im Krieg vermissten Onkeln besitzen sie leider nur undeutliche Aufnahmen. Fotos: Hefter 

Bebra. Georg und Rosemarie Becker aus Bebra haben die Berichte in unserer Zeitung über die Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren mit besonderem Interesse gelesen. Denn zwei Onkel von Georg Becker kämpften als Soldaten in Russland und werden seit 1943 vermisst.

Das letzte Lebenszeichen von ihnen bekam Georg Becker anlässlich seiner ersten Heiligen Kommunion, zu der er Pfingsten 1943 als Achtjähriger ging: Briefe von beiden Onkeln zusammen mit zwei anrührenden Geschenken: einem getrockneten Maiglöckchenstrauß und einem postkartengroßen Bild, das auf russischer Birkenrinde gemalt und mit einem Rand ebenfalls aus Birkenrinde versehen ist.

Die Familie hat die Post bis heute aufbewahrt. Sorgsam eingerahmt hängen Briefe und Geschenke an der Wand des Arbeitszimmers.

An seine Onkel kann sich der inzwischen 78-jährige Georg Becker noch gut erinnern. Bernhard und Theo Venhues waren die beiden jüngsten Brüder seiner 1907 geborenen Mutter Christine. Beckers Familie lebte in Westerholt, heute ein Stadtteil von Herten im Ruhrgebiet.

1943 waren beide Onkel Anfang 30 und verheiratet: Bernhard gelernter Maler, sein Bruder Theo Schreiner und Vater von zwei kleinen Kindern. Georg Beckers Vater musste nicht in den Krieg. „Als Schießmeister im Bergbau war er unabkömmlich“, berichtete Becker, der selbst pensionierter Passkontroll-Beamter ist und 1960 aus beruflichen Gründen nach Bebra zog.

Ob die Post aus dem fernen Russland rechtzeitig zu seiner Kommunion angekommen war, weiß Georg Becker nicht mehr. Seine Mutter bewahrte die Geschenke auf und brachte sie ihm mit, als er 1968 mit seiner jungen Familie ins eigene Haus zog.

Dass die beiden Onkel in Stalingrad kämpften, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. „Meine Mutter hat in diesem Zusammenhang aber von Stalingrad gesprochen“, berichtete Becker. Die Briefe der Onkel sind am 3. beziehungsweise am 30. Mai 1943 datiert, etwa drei Monate, nachdem die schweren Kämpfe im Kessel von Stalingrad beendet waren. „In Gefangenschaft können sie damals nicht gewesen sein, sonst hätten sie keine Post abschicken können“, erläuterte der 78-Jährige.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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