Lernen, um zu bleiben: Ausbildungschance für junge Flüchtlinge

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Auf der Lehrbaustelle: Probehalber und eher fürs Foto testeten die jungen Flüchtlinge und Asylbewerber schon mal die Möglichkeiten der Einrichtung der Kreishandwerkerschaft in Bebra. Rechts der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Dirk Bohn, daneben Sozialdezernentin Elke Künholz. In der Mitte (mit Krawatte) der Leiter des Fachdienstes Migration, Frank Hildebrand.

Hersfeld-Rotenburg. Der 1. März wird ein Wendepunkt im Leben von zwölf jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Sie, die vom Fachdienst Migration im Landratsamt betreut werden, arbeiten ab März auf der Lehrbaustelle der Kreishandwerkerschaft in Bebra.

Dort werden sie auf eine Ausbildung im Bauhandwerk vorbereitet - ein bundesweit einmaliges Projekt, wie Obermeister Klaus Stöcker am Mittwoch erklärte.

Bei der offiziellen Vorstellung des Gemeinschaftsprojektes „Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk (FAB)“ fielen große Worte: Von „Leuchtturmcharakter und „Win-win-Situation“ war die Rede. Dahinter verbirgt sich eine offenbar sinnvolle Zusammenarbeit: Auf der einen Seite droht Fachkräftemangel im Handwerk, auf der anderen Seite gibt es Flüchtlinge, die in Deutschland arbeiten und sich integrieren wollen. Beide Bedürnisse könnten so befriedigt werden. Sozialdezernentin Elke Künholz sagt dazu: „Es ist sinnvoller, die Potenziale der hier Lebenden zu nutzen und zu fördern, als sie zu alimentieren.“ Immerhin muss der Kreis für die Flüchtlinge und Asylbewerber, die ihm zugeteilt werden, aufkommen.

Die jungen Männer im Alter zwischen 17 und 31 Jahren lernen im nächsten halben Jahr die deutschen Arbeitsmethoden kennen, sollen dazu auch in kurze Betriebspraktika vermittelt werden. Anschließend können sie - vorausgesetzt es finden sich entsprechende Betriebe - eine klassische Ausbildung beginnen.

Rime Gargos

Der größte Vorteil für sie dabei: Sie erhalten ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland, erklärte der Leiter des Fachdienstes Migration, Frank Hildebrand. Der Fachdienst lässt die jungen Männer dabei nicht allein, unterstützt sie zum Beispiel im Bereich der Beruflichen Schulen, bei Hausaufgaben, damit sie die Anforderungen des dualen Ausbildungssytems in Deutschland auch erreichen können.

Einer, der sich schon auf die Arbeit freut, ist der 21-jährige Rime Gargos. In seiner Heimat Syrien hat er zwar als Friseur gearbeitet, erzählt er, aber er kann sich auch gut vorstellen, auf einer Baustelle kräftig mit anzupacken. Rime spricht schon gut Deutsch. Seit zwei Jahren ist er in Deutschland, Sprachunterricht hat er dabei über den Fachdienst Migration erhalten.

„Wir achten darauf, dass alle an diesen Kursen teilnehmen“, sagt Fachdienstleiter Hildebrand. Kinder seien da kein Hindernis, weil sie in Betreuungseinrichtungen untergebracht würden, so dass auch weibliche Flüchtlinge auf das Leben und Arbeiten in Deutschland vorbereitet werden.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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