Harald Beckmann aus Süß sucht Rauchmelder für Schwerhörige – bisher vergeblich

Lebensretter bleibt stumm

Süss. Rauchmelder retten Leben – mit diesem Slogan werben Feuerwehrverbände und Hersteller für den Einbau der Geräte, die die Hausbewohner mit einem hellen Summen vor Brandrauch und somit vor dem Erstickungstod warnen sollen.

Vom Sinn der Rauchmelder grundsätzlich überzeugt ist auch Harald Beckmann aus dem Nentershäuser Ortsteil Süß. Deshalb hat er sein Wohnhaus, eine ehemalige Gaststätte, mit Rauchmeldern ausgestattet, die über vier Stockwerke miteinander verknüpft sind. Im Ernstfall, so befürchtet Harald Beckmann, nützen ihm diese Sicherheitsvorkehrungen jedoch nichts. Denn Harald Beckmann leidet an einer Hochton-Schwerhörigkeit. Den schrillen Signalton der Melder kann Beckmann deshalb nicht hören. Als der 73-Jährige zur Demonstration auf den Test-Knopf eines Rauchmelders drückt, bleibt Beckmann ruhig stehen, während sich seine Lebensgefährtin Renate Küch wegen des lauten Tones die Ohren zuhält.

Was für Harald Beckmnann erschwerend hinzukommt: Weil er unter Schlafapnoe, also Atemstillständen während des Schlafes, leidet und deshalb nachts ein Beatmungsgerät benötigt, übernachtet er in einem anderen Zimmer als seine Lebensgefährtin. „Sie müsste im Ernstfall erst zu mir gelaufen kommen, weil ich die Rauchmelder nicht höre“. Weil bis zur Rauchvergiftung nur zwei bis drei Minuten bleiben, fürchtet Beckmann, dass diese Zeit nicht ausreicht. Zwar habe er auch ein Hörgerät, „aber wer trägt schon ein Hörgerät beim Schlafen“, sagt Beckmann.

Nach Rauchmeldern hat Harald Beckmann bereits gesucht – bisher jedoch trotz intensiver Suche in Fachmärkten und im Internet vergeblich. Zwar gebe es spezielle Geräte für Schwerhörige, diese hätten sich jedoch alle als Fehlkäufe herausgestellt. Dabei ließe sich das Problem nach Beckmanns Ansicht eigentlich recht einfach lösen: Durch Rauchmelder mit einem tieferen Ton oder einem Ausgang, an den sich eine Hupe oder ein Signalhorn anschließen ließe. Gefunden hat Beckmann solche Modelle bisher nicht. Dass Rauchmelder zwar als Lebensretter angepriesen werden, andererseits aber nur für Menschen mit gesunden Ohren geeignet seien, ärgert Harald Beckmann. Schließlich sei er nicht der einzige Betroffene. 19 Prozent der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre gilt laut deutschem Schwerhörigenbund als hörgeschädigt, viele hören vor allem hohe Töne nicht.

Will weiter suchen

Harald Beckmann will weiter nach Rauchmeldern suchen. Mittlerweile gibt es Systeme, die optisch oder mit Vibrationen Alarm geben. Zwar ist der Rentner unsicher, ob diese Geräte auch im Schlaf Alarm geben können, „sobald ich etwas Geeignetes gefunden habe, baue ich es ein“, sagt der 73-Jährige. ARTIKEL UNTEN

Von Jan-Christoph Eisenberg

Quelle: HNA

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