Kurzer Prozess mit Rotenburger Spielplätzen

Verärgert über den Abriss: Johanna Häde (von links), Christian Kegel, Katja Kegel, Behcet Iscioglu, Diana Protokowitz, Harald Spangenberg, Tamara Spangenberg, Nadine Aslam, Charice Protokowitz

Rotenburg. Als Harald Spangenberg am Mittwochmorgen am Spielplatz an der Straße hinter dem Finanzamt vorbeikommt, traut er seinen Augen nicht: Arbeiter sind dort mit Bagger und Laster zugange, um Schaukel, Drehkarussell und Rutsche abzureißen.

Sofort sagt der Familienvater seiner Frau Tamara bescheid. Auch andere Eltern haben die Abrissarbeiten bereits mitbekommen. Schnell bildet sich vor dem Ort des Geschehens eine Menschentraube.

Dass dieser Spielplatz - ebenso wie die Spielplätze an der Ludwigsstraße, an der Egerländer Straße und an der Brotgasse - abgerissen werden sollen, wissen die Eltern. Die Stadtverordneten haben in ihrer jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche ein Konzept dazu verabschiedet - die HNA berichtete.

Dass die Bagger allerdings innerhalb von fünf Tagen anrücken, damit haben die Anwohner nicht gerechnet. Bereits am Dienstag seien die Spielgeräte auf dem Spielplatz an der Ludwigsstraße beseitigt worden, sagt Katja Kegel. Sie ist enttäuscht darüber, dass sie als Mutter vor vollendete Tatsachen gestellt worden ist, und keine Chance bekommen hat, mitzureden. Gleich am Freitag, nachdem sie von der geplanten Schließung der Spielplätze erfahren hatte, rief sie bei der Rotenburger Stadtverwaltung an. Sie bekam einen Termin bei Bürgermeister Grunwald zugesichert, der sich zurzeit im Urlaub befindet - allerdings erst am 1. November. Zu spät, wenn dann keine Spielgeräte mehr stehen. Die Stadt hatte die Schließung des Spielplatzes mit nötigen Investitionen in Höhe von 12 500 Euro begründet. „Dabei würden wir uns doch bereiterklären, den Spielplatz sauber zu halten“, sagt Kegel. Sie versteht nicht, warum die Stadt die Eltern nicht danach gefragt hat.

Gespielt haben auf dem Spielplatz auch regelmäßig zwölf Kinder aus einer Krippengruppe, erklärt Jennifer Kaßner, Leiterin des Kindergartens an der Sankt-Georg-Straße. Im Sommer hätten sie den Platz etwa jeden zweiten Tag genutzt. Der Bedarf wächst sogar demnächst noch: „Wir werden mit zwei neuen Krippengruppen mit jeweils zehn Ein- bis Dreijährigen erweitern“, sagt Kaßner. Stattdessen den Spielplatz im Schloßpark zu nutzen, wie die Stadt vorschlägt, ist für sie keine Alternative. Da das Gelände nicht eingezäunt ist, sei es zu unsicher. Auch der Weg dahin sei zu weit für die Kinder. (mah)

Quelle: HNA

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