Peter Heßler fertigt spiralförmige Spazierstöcke

Kunstvolle Wegbegleiter zum Wandern

Stöcke in drei verschiedenen Stadien: Peter Heßler zeigt einen fertigen Stock, Rohholz aus dem Wald und geschält in die Vorrichtung gespannt, die das Holz gerade macht. Foto: Meyer

Rotenburg. Peter Heßler fertigt spiralförmige Spazierstöcke in seiner kleinen Schusterwerkstatt. Für die Form sorgt die Natur jedoch selbst.

In der kleinen Werkstatt an der Stadtmauer geht der Rotenburger Rentner Peter Heßler, wie einst sein Vater, dem Schusterhandwerk nach. Nebenbei ist die Werkstatt aber zum Atelier eines anderen Handwerks geworden: Heßler fertigt hier kunstvolle Spazier- und Wanderstöcke.

Geißblatt sorgt für die gewundene Form 

Er benötigt dafür junge Stämme, um die sich eine Pflanze aus der Gattung der Geißblattgewächse gewunden hat. Umschlungen von der Pflanze, windet sich das Holz spiralförmig. Heßler ist mit seinem Hund viel im Wald unterwegs und weiß, wo er suchen muss. „Wo das Geißblatt wächst, gibt’s auch diese Stöcke“, erklärt Heßler. Im Wald hat er immer eine kleine Säge dabei.

Stock wird mehrmals gespannt

In seiner Werkstatt entfernt Heßler erst kleine Äste und dann die Schale. Dann spannt er das Holz, von Natur aus meist „krumm wie ein Flitzebogen“, mit Schraubzwingen gerade in eine Holzvorrichtung und stellt diese für drei Tage hinter den warmen Ofen der Werkstatt.

In den folgenden Tagen spannt er das Holz mehrmals um, bis es nach etwa einer Woche trocken und gerade ist. Dann wird mit dem Messer das Geißblatt aus dem Holz entfernt, der Stock geschliffen und lackiert. Mit dem Dübel befestigt Heßler einen Holzgriff, ebenfalls im Wald gefunden, und eine Spitze aus Metall.

In der Werkstatt hängen einige hübsche Exemplare der einzigartigen Wanderstöcke. Einer davon wirkt mit seiner geraden Form und einer regelmäßig gewundenen Spirale nahezu perfekt. Heßler wollte das Holz unbedingt haben, als er es hinter Dornen entdeckte: „Der hat mich viel Blut gekostet.“

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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