Nabu fordert eine Regulierung des ungezügelten Ausbaus der Windkraft

Ein Akt kultureller Barbarei

Dieter Gothe

Hersfeld-Rotenburg. Die Diskussion um den Ausbau der Windenergie in allen Bundesländern und besonders in Regionen mit einem hohen Anteil naturnaher Kulturlandschaften hat laut Dieter Gothe Nabu-Vorsitzender in Solz, längst den Landkreis und auch den Bereich „rund um den Al-heimer“ fest im Griff. Im Stölzinger Gebirge drohe kreisübergreifend eine Massenansammlung von Windkraftanlagen (WKA). Die neuen WKA im Seulingswald bei Friedewald mit „nur“ 179 Meter Gesamthöhe eröffneten die Aussichten auf eine künftig zerstörte waldhessische Landschaft.

Es sei unverantwortlich, Waldhessen mit über 30 Windfeldern mit vielen Dutzend Windrädern und Stromleitungen aller Art und den damit verbundenen Eingriffen in die Natur zu verschandeln. Es bedürfe dringend einer Veränderung der fehlgeleiteten Energie- und Planungspolitik, fordert Dieter Gothe. Der zusätzlich geplante Einschlag in den noch nicht mit Leitungstrassen belasteten Wäldern gerade auch im Nordostteil des Landkreises und in den Nachbarkreisen für Wege und Zuleitungstrassen für zig Windräder der Drei-Megawattklasse mit rund 200 Meter Höhe stelle einen Akt der kulturellen Barbarei dar. Die Nichtbeachtung entgegenstehender Belange bei den bisherigen Planungen am Wehneberg in der Kulisse des historischen Bad Hersfelds belege den bisherigen Irrweg.

Die beabsichtigte Preisgabe einer geordneten Landesplanung mit dem „Rettungsschirm“ zu begründen, sei ein schlechter Witz, denn die Ungeeignetheit dieses Naturraums für solche Industrieanlagen mit entsprechender Infrastruktur könne nicht durch die finanzielle Not von Rotenburg, Alheim, Sontra, Cornberg, Spangenberg, Waldkappel und Stölzing begründet werden.

Die Befürworter von meist windschwachen Windfeldern in nahezu jeder Kommune des Landkreises mit dem Ziel einer Energieautarkie seien aufgerufen, sich der Verantwortung gegenüber der Bevölkerung Waldhessens zu stellen.

Dies gelte auch für Bürgerinitiativen, die gegen Strom-trassen argumentierten und andererseits für Windfelder zur Beseitigung von kommunalen Schulden einträten.

Bis zu 60 000 neue Windräder werden laut Nachrichtenmagazin Spiegel in den kommenden Jahren von der Windkraftbranche erwartet. „Darunter vielleicht 250 Anlagen in Waldhessen?“, fragt Gothe.

Die Preise für den Gelegenheitsstrom (Volllast der hiesigen Windkraftanlagen maximal 1800 von 8760 Jahresstunden) an der Strombörse lägen am Boden und müssten gemäß EEG subventioniert werden. Über 8 Cent werde jede Kilowattstunde Strom durch das EEG teurer.

Die Forderung des CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Heiderich, den ungezügelten Ausbau der Windkraft im Interesse einer sicheren und sozial verträglichen Stromversorgung zu regulieren, sei berechtigt und entspreche auch den Intentionen der schwarz-roten Koalitionsverhandlungen. (red/ank)

Quelle: HNA

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