Kettensäge statt Meißel

Bildhauerei mal anders

Obersuhl. Für Lars und Fabian Hendl aus Obersuhl hingegen, ebenfalls Vater und Sohn, ist die Holzbildhauerei ein gemeinsames Hobby. Allerdings rücken die beiden dem Holz nicht wie Michel mit dem Messer zu Leibe – sondern mit der Kettensäge.

Die sitzende Eule können die beiden fast blind. Im Wechsel gehen sie mit heulenden Sägen auf den Eichenstamm los, der senkrecht auf dem Grundstück hinterm Haus steht. In nur wenigen Minuten haben sich die Konturen von Rumpf, Kopf und Flügeln aus dem Holz geschält. Fontänen von Sägespänen fliegen in die Luft.

Vor über einem Jahr hat sich der heute 14-jährige Fabian eine Kettensäge gewünscht. Zum Geburtstag gab es eine kleine Husqvarna, zwei PS stark. Fabian besuchte einen Lehrgang – und steckte den Vater mit seiner Begeisterung an.

Inzwischen besitzen die beiden zehn verschiedene Kettensägen, darunter auch spezielle Sägen für Künstler. Bei den normalen Arbeitssägen haben Vater und Sohn Schwerter und Ketten ausgetauscht: Schräg nach hinten abgeflachte Dächer über den Sägezähnen führen dazu, dass die Säge bei der filigranen Arbeit nicht gefährlich nach oben ausschlägt.

„Mutti muss natürlich mitspielen“, sagt Lars Hendl lachend. Mutter Annett hat ihre Zustimmung zu dem Hobby ihrer Männer gegeben.

Hinterm Haus stehen jede Menge Holzpilze, Eulen, ein Halbmond und ein Bär, der leider seine Schnauze eingebüßt hat und deshalb bei Hendls „Schweinebär“ heißt. Fehler können passieren. Die Kettensägenkunst verlangt viel Übung, und was nicht gelingt, ist immer noch gutes Brennholz.

Lars stoppt seinen Motor und überlässt das Feld für die letzten Arbeitsschritte seinem Sohn. Die Musterung im Federkleid und die flaumig wirkende Eulenbrust sind Fabians Domäne. Lars Hendl: „Das krieg ich irgendwie nicht so gut hin wie er.“ Nur noch wenige Minuten, dann glotzt die im Holz festgekrallte Eule erhaben aus ihren großen Augen.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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