Naturschutzverbände halten Vorgehen der Zubra-Gemeinden für verfrüht

Kritik an Windradplänen

So könnte die Landschaft in Zukunft aussehen: Der Nabu-Vorsitzende Dieter Gothe hat in eine Aufnahme, die er an der Gaststätte Hohe Buche gemacht hat, Windräder montiert. Die Darstellung ist nicht maßstabsgerecht, und derzeit ist offen, wie viele Windkraftanlagen es sein werden. Dennoch vermittele das Bild einen ungefähren Eindruck, wie der Blick über Solz (im Vordergrund) Richtung Alheimer (im Hintergrund) aussehen dürfte, wenn die Windkraftpläne der Zubra-Kommunen verwirklicht werden, sagt Gothe. Fotomontage:  Gothe

Hersfeld-Rotenburg. Mehrere Naturschutzverbände kritisieren die Pläne der Zubra-Kommunen für weitere Windkraftanlagen. Dass Alheim, Bebra und Rotenburg schon jetzt einen Partner für das Aufstellen und den Betrieb von Windrädern suchen, sei eine „voreilige Fehlentscheidung mit unabsehbaren Konsequenzen“, sagt der Vorsitzende der Ortsgruppe Solz im Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Dieter Gothe.

Die drei Kommunen hatten sich im Rahmen ihrer interkommunalen Zusammenarbeit (Zubra) geeinigt, mit dem Landeswaldbetrieb Hessen-Forst einen Partner zu suchen, um an sechs Stellen Windparks zu errichten. Sie beauftragen eine erfahrene Düsseldorfer Rechtsanwaltskanzlei mit dem Ausbietungsverfahren und der weiteren Betreuung der Windkraftpläne.

Genau das kritisiert Gothe: Ehe weitere Pläne gemacht werden, solle zunächst die Debatte über den Regionalplan Nordhessen geführt werden. Darin würden die Vor- und Nachteile von Windparks abgewogen.

Dem vorzugreifen, „damit sich etwaige Windkraft-Bieter rasch und umfänglich bedienen können, wäre für Mensch und Natur ein Fiasko.“ Zweifel äußert Gothe zudem, dass es überhaupt Aufgabe der Städte und Gemeinden ist, selbst nach einem Windkraftinvestor zu suchen. Schließlich gehörten die Grundstücke meist Privatpersonen oder – in der Hauptsache – Hessen-Forst, aber nicht den Kommunen.

Einnahmen fraglich

Ob der Landesbetrieb die Kommunen an den Pachteinnahmen der Windparks beteiligen darf, sei zudem fraglich, sagt auch Karl-Heinz Both, Vorsitzender der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal mit Sitz in Bebra. Sie hat mit dem Nabu eine gemeinsame Stellungnahme zum Flächennutzungsplan verfasst, auf dessen Grundlage die Zubra-Gemeinden derzeit ihre Windkraftpläne vorantreiben.

Ohnehin sei unsicher, ob auf den sechs Flächen zwischen Bebra und Alheim, die für Windparks im Gespräch sind, genug Wind weht, dass die Anlagen auch wirtschaftlich betrieben werden können. Dafür müssten Windgeschwindigkeiten von mindestens sechs Metern pro Sekunde erreicht werden. Sonst sei unsicher, ob die Kommunen je Steuereinnahmen daraus beziehen werden, sagt Gothe.

Grundsätzlich warnen beide Naturschutzverbände davor, die Landschaft des mittleren Fuldatals durch eine „derartige Massierung von Windrädern an allen Ecken und Enden“ zu verändern. Das senke die Lebensqualität und sei gerade für den wichtigen Tourismus kontraproduktiv, erklären Gothe und Both.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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