Ein Krauthobel für alle

So fing es an: Die Häuser der komplett neuen Siedlung Cornberg wurden 1940 bezogen. Zu den Kleinsiedlungshäusern gehörten ein Kleintierstall und Gartenland. Fotos: nh

Cornberg. Die Gemeinde Cornberg feiert in dieser Woche ihr 75-jähriges Bestehen, gleichzeitig wird auch die Siedlergemeinschaft 75 Jahre alt. Von Beginn an ging es um gegenseitige Hilfe.

Cornberg. Für die Familie Peter Henneck muss der Dezember 1939 ein wichtiger Monat gewesen sein: Damals zog die Familie in das Haus „Im Tälchen“ 20 in Cornberg ein - noch bevor der Innenausbau fertig war. Damit gehörten die Hennecks zu den ersten Bewohnern der Arbeiterwohnsiedlung für den Kurhessischen Kupferschieferbergbau im Richelsdorfer Gebirge.

In einem ersten Bauabschnitt waren 368 Wohneinheiten geschaffen worden: Mietwohnungen, Eigenheime und Kleinsiedlerstellen. Die Kleinsiedlung „Im Tälchen“ wurde als erste gebaut und ab 1940 besiedelt. Weitere Siedlerstellen entstanden: „Am Hang“ und „Auf der Höhe“.

1940 wurde auch die Siedlergemeinschaft Cornberg gegründet - damals unter dem Namen Deutscher Siedlerbund. Die Gruppe hatte 17 Mitglieder, 1950 waren es schon 38. Sie alle waren Mieter der oben genannten Siedlerstellen. Anfang der 1950er-Jahre verkaufte die damalige Hessische Heimstätte Siedlerstellen und auch die Reihenhäuser an die Mieter - die Zahl der Mitglieder wuchs. Schließlich entstanden weitere Neubaugebiete - auch dadurch gab es neue Mitglieder.

Der Deutsche Siedlerbund wurde zum Verband Wohneigentum, blieb aber im Volksmund Siedlerbund. Seit 1993 nennt sich die Gruppierung Siedlergemeinschaft Cornberg.

Ziel des Vereins war und ist es, dass sich die Mitglieder untereinander helfen. Anfangs ging es um Rat und Tat bei der Bewirtschaftung der Siedlerstellen, den Ausbau von Häusern und Wohnungen. Es wurden landwirtschaftliche Geräte und welche für den Haushalt angeschafft, die die Mitglieder reihum nutzen konnten. Noch immer existiert zum Beispiel ein Krauthobel, der von Haus zu Haus gebracht wurde und der es den Familien ermöglichte, ihre Kohlernte zu verarbeiten.

Die Mitglieder hatten auch sonst viele Privilegien, sodass deren Zahl weiter stieg. Noch heute erhalten sie in Baumärkten Rabatt, außerdem sind im Mitgliedsbeitrag Versicherungen für Haus und Grundbesitz eingeschlossen.

Engagiert im Dorfleben

Die Siedlergemeinschaft organisiert seit vielen Jahren Ausflüge und Feiern für ihre Mitglieder und engagiert sich im Leben der Cornberger Dorfgemeinschaft. Sie war es auch, die in Erinnerung an die Geschichte Cornbergs 2006 eine Lore und eine Ruhebank auf der Verkehrsinsel „Im Tälchen“ aufgestellt hatte. Seither wird die kleine Anlage auch von Mitgliedern der Siedlergemeinschaft gepflegt. Seit zehn Jahren sorgt der Verein, besser dessen Stickfrauen, auch dafür, dass den Marktplatz eine Osterkrone verschönert.

„Da Cornberg keine gewachsene Gemeinde, sondern am Reißbrett entstanden ist, gibt die Siedlergemeinschaft den hier wohnenden Bürgern ein Zusammengehörigkeitsgefühl“, heißt es in dem Text, den Vereinsmitglieder für die neue Cornberger Chronik verfasst haben.

Dieser Text ist auch Quelle für unseren Artikel. (sis)

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der HNA Rotenburg-Bebraer Allgemeinen.

Quelle: HNA

Kommentare