Bad Hersfelder Festspiele: Heute Premiere für Thomas Manns „Der Zauberberg“

Krank an der Welt

Ein sieben Jahre währender Kurzbesuch auf dem Zauberberg: Sören Wunderlich als Hans Castorp in Janusz Kicas Inszenierung des Romans von Thomas Mann. Foto: Iko Freese/drama-berlin.de

Bad Hersfeld. Thomas Manns „Der Zauberberg“ ist eines der Bücher, dessen Titel ein jeder kennt, dessen Erwähnung aber fast immer von einem Stöhnen begleitet wird. Zu umfangreich, zu schwierig, zu langweilig sei Manns Monumentalroman, klagen die Nicht- und die vor dem Ende gescheiterten Leser.

Und jetzt soll dieser Stoff für ein Bühnenstück bei den Bad Hersfelder Festspielen taugen? Reduziert auf gut zwei Stunden und aufbereitet für ein Publikum, das nicht nur deprimiert, sondern auch unterhalten werden möchte?

Mit Lob überschüttet

Die Spielfassung von Vera Sturm und Hermann Beil hat das eigentlich Unvorstellbare geschafft, wurde und wird mit Lob überschüttet. Regisseur Janusz Kica, der im vergangenen Jahr mit seiner munteren „Dschungelbuch“-Produktion bei den Festspielen debütierte, hat diese Bearbeitung jetzt für die Stiftsruine inszeniert.

Worum geht es? Eigentlich will Hamburger Ingenieur Hans Castorp nur seinen Vetter in einem Sanatorium in den Alpen besuchen. Zunächst befremdet ihn das Leben dort, dann fasziniert es ihn immer mehr.

Er trifft interessante Menschen. Kunst, Politik, Liebe – verschiedene Ideologien begegnen ihm „oben“ auf dem Zauberberg. Aber sie machen ihn nicht reif und lebenstüchtig, sie versetzen ihn in Passivität, machen aus dem anfangs Gesunden einen kranken Mann.

Sieben Jahre bleibt er zurückgezogen auf dem Berg, weit weg vom Leben „da unten“. Doch am Ende erreichen die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges auch die Patienten im abgeschiedenen Sanatorium.

Die Bühnenfassung reduziert den Roman auf seine zentralen Themen und Aussagen. Dass Manns usprüngliche Intention, hier atmosphärisch eine Mischung von Tod und Amüsement zu schaffen, erkennbar bleibt, ist das Verdienst des Teams Sturm/Beil. Was Janusz Kica und das Ensemble aus dieser Vorlage gemacht haben, ist ab heute in der Stidtsruine zu besichtigen.

Für die heutige Premiere und alle anderen Aufführungstermine sind noch Karten, unter anderem an der Abendkasse, erhältlich.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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