Live-Musik in der Auferstehungskirche

Schwarzmeer-Kosaken gastierten in der Auferstehungskirche in Bebra

Musikalische Freunde: Peter Orloff, rechts, und der Dirigent des Eisenbahn-Choes Germania, Christoph Wiemann, sowie die Bebraer Sänger genossen sichtlich das Zusammenspiel der Chöre in der Auferstehungskirche. Fotos: Apel

Bebra. So gut besucht ist die Auferstehungskirche in Bebra selten: Sogar auf den oberen Emporen findet sich kaum noch ein Platz. Voller Vorfreude warteten annähernd 600 Besucher am Freitagabend auf Peter Orloff und den von ihm geleiteten Schwarzmeerkosaken-Chor. 

Die Sänger sind zum dritten Mal auf Einladung des Eisenbahn-Chors Germania in die Biberstadt gekommen. Es scheint eine innige Beziehung zwischen beiden Chören zu bestehen. Kaum haben sich die von Christoph Wiemann umsichtig dirigierten Bebraner vor dem Altar aufgebaut und überaus eindrucksvoll das Robert-Plappert-Werk „Unser tägliches Brot“ dargeboten, schon gesellen sich die Gäste zu ihnen. Gemeinsam intonieren sie den altrussischen Kirchengesang „Tebe Poem“ (O Herr gib Frieden) und das Stück „Mnogoja Ljeta“ (Der Herr bewahre dich auf viele Jahre). Das Publikum ist begeistert und spendet reichlich Applaus.

Es freut sich mit dem im lippischen Lemgo geborene, fast 70-jährigen Orloff, als der seine Frau Linda, die Geburtstag hat, und den Wildecker Herzbuben und „Ehrenkosaken“ Wolfgang Schwalm, der direkt unter der Kanzel Platz genommen hat, begrüßt. Er lässt sich einladen zum andächtig vorgetragenen „Vater unser“, zu liturgischen Liedern, zu Emotionen, die dem Anspruch des über viele Jahre von Orloffs Vater geprägten Chor gerecht werden: „Der Chor, der singend betet und betend singt!“

Die Weiten Russlands

Da harmoniert die Zarenhymne mit dem „Ave Maria“ von Franz Schubert, bei dem sich der männliche Sopran Igor Ishchak in unglaubliche Höhen schwingt. Beim Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ meint man ganz neue Nuancen zu erkennen. Und wenn Ilya Kurtev mit seinem russischen Akkordeon musiziert, Slava Kripakov mit seiner gewaltigen Bassbalalaika beeindruckt und Irina Kripakova auf ihrer runden Balalaika spielt, meint man die Weiten Russlands vor sich zu sehen.

Nach der Pause brillieren die Chöre noch einmal gemeinsam mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ und „Herrlicher Baikal“, ehe es dann noch volkstümlicher wird. Die Instrumentalisten übertreffen sich selbst, Igor Ishchak erzählt die Geschichte vom einsamen Glöckchen und Peter Orloff die vom Räuberhauptmann Kudijar, der dem Verbrechen abschwor, um Gott zu dienen. Irgendwann bezeichnet er das Konzert als schönen Traum, der in den Herzen mit nach Hause genommen werden möge.

Das Publikum hält es nicht mehr auf den Bänken. Dem stimmgewaltigen Tenorissimo Oleg Kulyeshov bleibt nichts anderes übrig, als zuerst allein und dann zusammen mit Fjodor Kunitsky und Ognian Wladimirow noch eins draufzulegen. „Kalinka“ nimmt ihm und den anderen Kosaken fast den Atem.

Mit dem Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ klingt der Konzertabend aus. Peter Orloff deutet an, dass der Chor 2016, wenn der Eisenbahnchor 125 Jahre besteht, mal wieder vorbeischauen könnte.

Bildergalerie zum Konzert:

Peter Orloffs Schwarzmeerkosaken und der Eisenbahn-Chor Germania

Quelle: HNA

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