Konzept soll Industriedenkmal Bahnhof Bebra retten

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Industrie-Denkmal im Herzen der Stadt: Das lang gezogene Inselgebäude – Bildmitte – prägt nicht nur den Bebraer Bahnhof, sondern durch seine zentrale Lage auch das gesamte Stadtbild. Es steht unter Denkmalschutz und ist Eigentum der Bahn. Hinter dem linken Teil sind der Lokschuppen mit der Drehscheibe und der Schornstein zu sehen. Dieser Bereich ist bereits seit Januar 2009 im Besitz der Stadt Bebra. Nun fordert die Bahn von der Stadt auch die Übernahme des Inselgebäudes. Sonst plant das Unternehmen den Abriss.

Bebra. Die Zukunft des Bahnhof-Inselgebäudes sowie des Lokschuppens, der Drehscheibe und des Schornsteins soll durch ein objektiv und professionell geführtes Moderationsverfahren geklärt werden.

Ziel ist ein städtebauliches Gesamt- und Nutzungskonzept für das sogenannte Ensemble „Industriedenkmal Bahnhof Bebra“. Das beschlossen Bebras Stadtverordnete nach ausführlicher Debatte in ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstagabend.

Bis Ende Januar 2014 hat die Stadt nun Zeit dafür. Fördergeld für die Umsetzung fließt erst dann, wenn das Gesamtkonzept vom Land Hessen anerkannt worden ist.

Der konkrete Handlungsauftrag für den Magistrat wurde durch einen Änderungsantrag von Gemeinsam für Bebra (GfB) auf den Weg gebracht. Gegen 15 CDU-Stimmen war die Mehrheit für die so erweiterte Beschlussvorlage denkbar knapp: 18 Stimmen von SPD, GfB und FWG reichten allerdings aus.

Finanziert werden soll die Konzepterstellung demnach durch den Einsatz von Zubra-Geld – also Förder-Mitteln aus der Zusammenarbeit der Kommunen Bebra, Rotenburg und Alheim – um den städtischen Haushalt nicht mit Kosten zu belasten, wie Jörg Stenpin von GfB ausführte. Bebras Bürgermeister Horst Groß verwies allerdings auf den dabei durch die Stadt fälligen Eigenanteil von 30 Prozent.

Den CDU-Änderungsantrag, zunächst mit der Bahn Kostenfragen zu klären und die Möglichkeit eines Abrisses der beidseitigen Kopfgebäudeteile am Inselgebäude zu besprechen, um den Aufwand für eine später mögliche Unterhaltung des Hauses durch die Stadt zu minimieren, lehnten die Stadtverordneten mit ebenso knapper Mehrheit bei gleicher Stimmenverteilung ab. Karl-Heinz Lückert von der CDU-Fraktion hatte dafür zuvor eindringlich geworben.

„Wenn Bebra die Identitätsmerkmale der Eisenbahnerstadt beseitigt, ohne andere Alleinstellungsmerkmale geschaffen zu haben, bleibt eine profil- und identitätslose Kleinstadt ohne jeden Charme.“

Sein Entsetzen angesichts der Position der Bahn, die offen – wie berichtet – über den kompletten Abriss des Inselgebäudes nachdenkt, wenn die Stadt sich nicht zur Übernahme bereit erklärt, machte SPD-Fraktionsvorsitzender Gerhard Schneider-Rose deutlich. „So wenig Traditionsbewusstsein hatten wir für unmöglich gehalten“, sagte er. Sein Fraktionskollege Bernd Holzhauer bezeichnete die Bahn als „Unternehmen ohne Charakter, das dem Grundsatz ‘Eigentum verpflichtet’ nicht mehr folgt“.

Holzhauer kritisierte auch, mit dem Abriss der Kopfgebäude zu liebäugeln. Das sei für die Verhandlungen mit der Bahn das falsche Signal. In einem weiteren Änderungsantrag forderte die SPD daher, im Beschluss nicht mehr von „Bereitschaft zur Übernahme“, sondern nur von „Interesse daran“ zu sprechen. Auch das wurde mehrheitlich beschlossen.

Harte Kritik gab es auch von Klaus Reifschneider von der FWG. Er machte den Bund als Bahn-Eigentümer und die Bundestagsabgeordneten als Schuldige aus. „Sie sind unsere Ansprechpartner und sollen den Leuten mal sagen, was sie für Bebra übrig haben“, forderte er. Der FWG-Antrag dazu wurde allerdings mit großer Mehrheit abgelehnt.

Quelle: HNA

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