Politkabarettist Gerd Hoffmann im Rotenburger Stadtverordneten-Sitzungssaal

Kochen statt denken

Sieht sich ständig von der politischen Realität überholt: Kabarettist Gerd Hoffmann beim Auftritt in Rotenburg. Fotos: Koch

Rotenburg. Wo normalerweise die Lokalpolitik gemacht wird, im Stadtverordneten-Sitzungssaal des Rotenburger Rathauses, trat Politkabarettist Gerd Hoffmann auf. Kurz vor dem Auftritt genoss er noch ein paar Minuten an der lauen Abendluft und hatte eine Antwort auf die Frage, was aus seiner Sicht ein gelungener Kabarettauftritt ist.

„Wenn die Zuschauer etwas mit nach Hause nehmen,“ sagt Hoffmann, der in diesem Jahr mit seinem Soloprogramm „Alternativlos“ auf Tournee ist. „Es kommt mir nicht nur aufs Klatschen und Lachen an. Wenn jemand hochkonzentriert im Publikum sitzt, finde ich das auch gut.“ Schließlich gebe es bei ihm angesichts der Fülle kabarettistischer Aussagen zu politischen Themen auch sehr viel zu verarbeiten, meint der Politkabarettist aus Berlin.

Und so blieb Gerd Hoffmann auch beim Auftritt in Rotenburg seinem Ruf treu: Bissiger, schwarzer Humor, analytisch und das Denken anregend. Seit mehr als 20 Jahren bearbeitet Hoffmann Themen, die Menschen beschäftigen. Dabei gibt er sich unparteilich gerecht. Bei ihm bekommen Politiker aller Parteien ihr Fett weg.

Er widmet sich brandaktuellen Themen wie der Wahl Joachim Gaucks zum neuem Bundespräsidenten oder dem Wahlkampf in Frankreich und Bundeskanzlerin Merkels „Einmischung“ dort. Und Hoffmann kommt in seinem Soloprogramm stets wieder auf allgemeine Zeiterscheinungen zu sprechen: die deutsche Politikverdrossenheit, die bestehende Abhängigkeit zwischen Politik und Geld, die Euro-Finanzkrise, der Werteverfall und die Verdummung der Gesellschaft.

„Ich frage mich, mit welcher Droge hat man der Menschheit das Denken abgewöhnt“, rätselt Hoffmann. Er habe darauf noch keine Antwort gefunden. Aber er wisse, wie die Droge verabreicht wird: „Durch die Endlos-Schleife an Koch-Shows im Fernsehen.“ Er habe seinen Fernseher deswegen über ein halbes Jahr boykottiert. „Als ich ihn wieder anstellte, liefen immer noch Koch-Shows“, ekelt es den Kabarettisten.

Die Zeiten seien schwer für das politische Kabarett. Auch, wenn alle denken würden, es sei besonders leicht, weil so viel passiere. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Hoffmann. „So abstruse Sachen, wie sie in der Politik passieren, kann man sich gar nicht ausdenken.“ In seinen kabarettistischen Betrachtungen „werde ich alle fünf Minuten von der Realität überholt.“ „Seien Sie darauf vorbereitet,“ rät er dem Publikum. „Vielleicht kommen Sie aus der Veranstaltung, und es gibt schon wieder einen neuen Bundespräsidenten.“

Von Alexandra Koch

Quelle: HNA

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